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Die Blumen von gestern
Deutschland 2016, 125 min
• Mitwirkende
Totila Blumen: Lars Eidinger
Zazie Lindeau: Adèle Haenel
Balthasar Thomas: Jan Josef Liefers
Hannah Blumen: Hannah Herzsprung
• Crew
Regie: Chris Kraus
Buch: Chris Kraus
Kamera: Sonja Rom
Schnitt: Brigitta Tauchner
Musik: Annette Focks

 

Die Blumen von gestern

ZEIT ONLINE: Wie schon Ihr letzter Film Poll ist auch Die Blumen von gestern eng mit Ihrer eigenen Familienhistorie verbunden.

Chris Kraus: Vor 16 Jahren – ich drehte gerade meinen ersten Film Scherbentanz – habe ich erfahren, dass mein Großvater im Zweiten Weltkrieg in den SS-Einsatzgruppen im Baltikum aktiv gewesen ist. Diese mobilen Todesschwadronen waren hinter der Front für die Ermordung zahlreicher Juden und anderer "Rassegegner" verantwortlich. Danach erforschte ich recht intensiv meine Familiengeschichte zur Zeit des Nationalsozialismus. Anfangs dachte ich, dass ich mich nur ein paar Wochen oder Monate damit beschäftigen würde. Aber es war erschreckend, was alles hervorkam, welche irrsinnigen Geschichten allein in dieser einen Familie passiert sind. Am Ende hat diese Arbeit fast zehn Jahre in Anspruch genommen. Die Ergebnisse habe ich in einem Buch für meine Kinder festgehalten.

ZEIT ONLINE: Was hat sich für Sie und Ihre Familie durch die Forschungsarbeit verändert?

Kraus: In meiner Großfamilie ist einiges in Bewegung geraten. Vieles, was lange Zeit im Verborgenen blieb, wird auf Familientreffen nun recht offen besprochen. Es war ein schmerzhafter und durchaus konfliktreicher Prozess, der aber einiges zum Positiven verändert hat. Die Perspektiven verschoben sich. Dinge, die man zu kennen glaubte, sieht man ganz neu, einfach nur weil die Scheinwerfer ein bisschen verstellt wurden. Dafür plädiere ich auch in meinem Film: sich den verstörenden Widersprüchen der eigenen Familiengeschichte zu stellen.

ZEIT ONLINE: Aber in Die Blumen von gestern blenden Sie nicht zurück in die Vergangenheit, sondern erzählen eine humorvolle Liebesgeschichte zwischen dem Enkel eines SS-Mörders und der Enkeltochter eines Holocaust-Opfers. Warum haben Sie sich für diesen Ansatz entschieden?

Kraus: Weil er sich mir nahezu aufgedrängt hat. Während meiner Familienforschungen habe ich in den Archiven Enkel von Holocaust-Opfern aus Deutschland, Israel und vielen europäischen Ländern getroffen. Sie sind auf mich, den Enkel eines NS-Täters, überraschend unverkrampft zugekommen. Der Umgang war sehr direkt, nicht konfrontativ, sondern einfach offen. Bei diesen Begegnungen wurde auch gelacht. Gleichzeitig spürte ich immer auch eine gewisse Verlegenheit. Diese irritierende Mischung von Schmerz und Leichtigkeit hat mich in die Geschichte getrieben. Darin lag etwas Herausforderndes, auch eine andere Art von Wahrheit.

Das komplette Interview mit Chris Kraus auf ZEIT online lesen

Filmvorstellung & Interview

Links

Filmwebsite zu Blumen von gestern - da gibt es auch ein Interview mit Chris Kraus Ein Holocaustforscher ist ernst. Zwei sind komisch - Besprechnung von Hanns-Georg Rodek in welt.de

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