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Der Buchladen der Florence Green

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Die ersten Minuten von "Der Buchladen der Florence Green" sind geradezu Betrug. Die fünfziger Jahre waren nicht idyllisch; sie sahen nur so aus. Aber Isabel Coixet lockt den Zuschauer ein wenig aufs Glatteis. Die Witwe Florence Green (Emily Mortimer) zieht, als sich das Jahrzehnt dem Ende zuneigt, in ein Dorf in Suffolk. Die Wellen krachen an die Küstenfelsen, die sanfte Hügellandschaft schimmert grün, die kleinen Mädchen tragen Schürzen, und die alten Häuser von Hardborough trotzen der Zeit. Selbst der Dorfgriesgram Edmund Brundish (Bill Nighy) wirkt irgendwie romantisch. Florence will sich in Hardborough ein neues Leben aufbauen: Einen Buchladen wird sie eröffnen. Man möchte gerade seufzen, wie schön es war, als die Menschen noch Bücher lasen, da wird Folrence darauf hingewiesen, hier lese niemand.

Florence hat eine ordentliche Portion Widerstandsgeist mit nach Hardborough gebracht. Das macht sie zu einer klassischen Figur für die Filmemacherin Isabel Coixet, die gern von ungewöhnlichen, sturen Frauen erzählt, seit sie vor mehr als zwanzig Jahren "Mein Leben ohne mich" drehte, über eine junge Frau, die an Krebs erkrankt und ihre Dinge regelt, sich aber nicht behandeln lässt. Auch Florence wird ihre Sturheit brauchen.

Süddeutsche Zeitung



In den Gängen

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Und so lässt sich "In den Gängen" auch als außergewöhnlicher Ost-Film sehen: Die Mauern der DDR sind gefallen, nun suchen die Großmarktmitarbeiter hinter den Mauern, zwischen den Gängen Schutz vor der Außenwelt - und finden ihn. Inmitten des Konsumtempels herrschen Menschlichkeit und Kameradschaft.

Dabei sind es nicht so sehr die Worte, mit denen der Leipziger Stuber von dieser wundersamen Gemeinschaft erzählt, sondern die meisterhaft komponierten Bilder. Noch bevor das erste Wort gesprochen, die erste Figur aufgetreten ist, fährt die Kamera von Peter Matjasko durch die Gänge, folgt dabei den Gabelstaplern, ihre Bahnen ziehend, dazu der Donauwalzer von Johann Strauß. Was für ein Kontrast.

Der Spiegel



Isle of Dogs

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Und dann gibt es eben sehr viele Details, die einen gleich in Andersons Welt hineinziehen. "Isle of Dogs" ist ein Animationsfilm, aber nicht nur das. Er vertraut, wie schon das Vorgängerwerk "Der fantastische Mr. Fox", auf eine der ältesten und aufwendigsten Trickfilmtechniken, das Stop-Motion-Verfahren. Dabei werden liebevoll gebastelte Figuren durch liebevoll gebastelte Sets bewegt, Einzelbild für Einzelbild, Millimeter für Millimeter. Und tatsächlich wird nirgendwo so liebevoll gebastelt wie bei Anderson. Ihm ist die ganze Welt eine Puppenstube: die Polizeistaatsfantasie der japanischen Zukunftsmetropole Megasaki genauso wie die Müllinsel der verbannten Hunde, eine Art Wüstenplanet aus aufgelassenen Rost-Raffinerien und Zivilisationsschrottgebirgen.

Süddeutsche Zeitung



Maria by Callas

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"In diese Karriere wurde ich hineingezwungen. Zuerst von meiner Mutter, dann von meinem Mann. Ich hätte mit Freuden alles aufgegeben. Aber Schicksal ist Schicksal. Und da gibt es keinen Ausweg." Desillusioniert, ohne sichtbare Regung zieht die berühmteste Operndiva des 20. Jahrhunderts Bilanz. 47 Jahre alt ist Maria Callas zum Zeitpunkt des Interviews – eine strenge, makellos schöne, königliche Erscheinung.
Viel Bildmaterial in diesem Film stammt aus privaten Quellen: die Callas auf der Gangway eines Flugzeugs, beim Verlassen der Wohnung, beim Einsteigen ins Taxi – immer umringt von Kameras und Mikrofonen, bedrängt von Reporterhorden. Ein Solitär, eine Erscheinung, in hoheitsvoller Haltung, elegant gekleidet, perfekt geschminkt, mit einem Lächeln auf den Lippen, das nicht einmal künstlich wirkt. Wieviel Kraft das wohl gekostet hat …
BR Klassik empfiehlt



Swimming With Men

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Größtenteils unförmige Männer, die sich ungelenk mit Nasenklammern im Gesicht im Becken zum Affen machen – das hätte ein furchtbar alberner Schlag ins Wasser werden können. Doch Regisseur Oliver Parker behandelt seine schwimmenden Protagonisten mit so viel Feingefühl. Er nimmt ihre Nöte, ihr angeschlagenes Selbstwertgefühl so ernst, dass sich neben dem Spaß schnell eine tiefe Sympathie zu dieser schwerfälligen Ballettgruppe herstellt. Der liebenswerte Film hat das Zeug ein Klassiker zu werden, wie einst "Ganz oder gar nicht".



The Killing of a Sacred Deer

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Ein 16-jähriger Junge drängt sich in das Leben eines erfolgreichen Chirurgen und belegt seine Familie mit einem Fluch. Plötzlich ist der kleine Sohn des Arztes gelähmt. Doch damit fängt der Horror erst an. Beklemmendes, packendes und irritierendes Drama um Schuld und Sühne, das den Mythos der Iphigenie auf die Moderne überträgt. Regie führte der griechische Ausnahme-Regisseur Yorgos Lanthimos.
programmkino.de



Zwei Herren im Anzug

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Die frühen Rückblenden sind in Schwarz-Weiß gehalten und von großer Retro-Schönheit - auch Leni Riefenstahls Ästhetik wird zitiert -; erst mit dem Wirtschaftswunder setzt Farbe ein. Bierbichler spielt mit massiger Autorität auch Pankraz' Vater, den alten Seewirt, dessen familiäre Ansagen keinen Widerspruch dulden. Der junge Pankraz (wieder Simon Donatz) ist ein musiksinniger Bursche mit schöner Stimme, dem eine Karriere als Operntenor winkt. Doch seine Berufspläne zerschlagen sich jäh, als sein älterer Bruder Toni, dem sie im Ersten Weltkrieg ins Hirn geschossen haben, als geisteskrank eingewiesen wird. Jetzt muss Pankraz die Seewirtschaft übernehmen, jenes Erbe, das er später so deftig verfluchen wird.
Süddeutsche Zeitung




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