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Glücklich wie Lazzaro
Lazzaro felice
IT, FR, DE, CH 2018, 125 min
• Mitwirkende
Lazzaro: Adriano Tardiolo
Antonia: Alba Rohrwacher
Marchesa Alfonsina De Luna: Nicoletta Braschi
Ultimo: Sergi López
• Crew
Regie: Alice Rohrwacher
Buch: Alice Rohrwacher
Kamera: Hélène Louvart
Schnitt: Nelly Quettier

 

Glücklich wie Lazzaro

Pressestimmen

Die Marchesa Alfonsina De Luna meint es gut mit ihren Leuten. „Willst du sie etwa zum Leiden verurteilen?“, fragt sie ihren Sohn, der wissen will, wie lange sie die Bauern auf ihrem Landgut noch in Unwissenheit halten will. Die Teilpächter leben nämlich wie in alten Zeiten, sie schuften für die Herrschaft, und am Ende rechnet ihnen der Buchhalter vor, dass sie nichts verdienen, sondern nur noch weitere Schulden angehäuft haben. Denn die paar Kapaune, die der Wolf geholt hat, werden selbstverständlich in Rechnung gestellt. So setzt sich mitten in Italien in einer Zeit gar nicht so lange vor der unseren ein Abhängigkeitssystem fort, das eigentlich längst historisch geworden sein sollte, ein später Rest des Feudalismus. Die Marchesa, Spitzname „Giftschlange“, sieht in dieser Konstellation vor allem Vorteile für alle, denn die Freiheit ist doch noch viel anstrengender als das Leben in einer hierarchischen Ordnung. Mit der Ordnung ist es allerdings nicht mehr weit her. Denn das Gut „Inviolata“ wurde seinerzeit durch eine Flut zwar aus der Zeit geworfen, auf ewig lassen sich aber auch in der Abgeschiedenheit der italienischen Provinz Lazio die modernen Verhältnisse nicht vermeiden.
Bert Rebhandl - FAZ

Alice Rohrwacher erzählt in ihrem wunderbaren Film "Glücklich wie Lazzaro" eine eigenwillige Heiligengeschichte, die aus der Zeit gefallen scheint, aber doch das Herz der Gegenwart trifft.
Der Heilige scheint außerhalb der Zeit zu stehen, und damit auch jenseits der Ausbeuterei, durch die sie bestimmt ist. Wenn am Ende Orgelmusik aus einer Kirche erklingt, erinnert das ein wenig an Vittorio De Sicas "Das Wunder von Mailand" von 1951, in der ein anderer vom Himmel gesegneter Junge den Slumeinwohnern der Stadt etwas Glück und Freude bringt. Aber Rohrwachers Film ist viel bitterer als De Sicas sozialromantische Vision. Eher noch ist ihr Film ein Gleichnis auf eine lange Geschichte der Unterdrückung und der sozialen Ungleichheit in Italien und der Welt überhaupt, im Geiste Pier Paolo Pasolinis. Nach der Ausbeutung der Landbevölkerung im ersten Teil zeigt Rohrwacher im zweiten die Ausbeutung von Migranten und Asylsuchenden in der Gegenwart.
Lazzaro ist dabei auch mit den clownesken Figuren verwandt, die Ninetto Davoli bei Pasolini verkörpert hat, etwa in "Große Vögel, kleine Vögel". Er durchquert eine Geschichte der Bosheit und Unterdrückung und ist dabei so naiv, dass er es nicht bemerkt. Der Heilige ist auch ein Idiot. Irgendwann fällt er der Unterdrückung dann doch zum Opfer. Aber nur durch ihn ist in dieser Unterdrückung kurz so etwas Absurdes aufgeleuchtet wie die Idee, das alle Menschen glücklich sein könnten.
Philipp Stadelmaier - Süddeutsche Zeitung

Die Wunder in Alice Rohrwachers dritten Spielfilm „Glücklich wie Lazzaro“, der in Cannes dieses Jahr für das Drehbuch der Regisseurin ausgezeichnet wurde, sind allesamt ein paar Nummern kleiner. Sie speisen sich aus einer überhöhten Wahrnehmung der Welt, für die die Regisseurin ein feines filmisches Sensorium entwickelt hat. Für den Wind zum Beispiel, der in den Bäumen raschelt, obwohl sich die Blätter nicht bewegen. Oder wie die Spreu bei der Erntearbeit im Sonnenlicht tanzt, das eine fast übernatürliche Qualität besitzt. Man sollte schon all seine Sinne schärfen, sich seinen Glauben an das Kino bewahrt haben. Oder eine kindliche Gutmütigkeit, die die Zumutungen der physischen Wirklichkeit suspendiert.
Andreas Busche - TAGESSPIEGEL

Trailer

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