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A Rainy Day in New York

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Die Stadt, die wir in "A Rainy Day in New York" erleben, ist von Woody Allen über Jahrzehnte quasi im Alleingang geschaffen worden, ein Märchen-, ein Traumreich, bevölkert mit verdrucksten, manchmal langweiligen Protagonisten, in den gediegenen Apartments von Manhattan, wo der junge Held - sein Name ist Gatsby - sich unwiderstehlich zum Flügel hingezogen fühlt, um dort den Song "Everything Happens to Me" zu intonieren. Vittorio Storaro, der einst die Filme von Bertolucci und Coppola grandios zum Leuchten brachte, lässt nun hier sein warmes, dichtes Licht wieder durch das Grau der regnerischen Stadt dringen, sehr sophisticated, illuminiert von großer Philosophie von Aristoteles bis Wittgenstein.
Fritz Göttler - SZ



Als Hitler das rosa Kaninchen stahl

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Es ist die Perspektive eines klugen, wachsamen, nicht allzu ängstlichen Kindes, die Judith Kerrs autobiografischen Roman "Als Hitler das rosa Kaninchen stahl" so besonders macht. Die Tochter des großen jüdischen Feuilletonisten und Hitlergegners Alfred Kerr beschreibt darin ihre eigene Jugend. Das Grauen des "Dritten Reichs" kommt nah genug, aber der Vater (im Film gespielt von Oliver Masucci) schätzt es von Anfang an richtig ein. Mit dieser Geschichte, die noch einmal gut ausgeht, hat Judith Kerr Generationen von Kindern an die Verfolgung und Vertreibung der Juden herangeführt, bevor es dann weitergeht zum Holocaust, und zum "Tagebuch der Anne Frank". Diese besondere Kinderperspektive, sie muss dann auch die Stärke einer gelungenen Verfilmung sein. Im Grunde sehr naheliegend für die Gegenwart und ihre neuen Flüchtlingskrisen. Ein Stoff wie geschaffen für Caroline Link: Kaum jemand hat sich den Blick der Kinder so leidenschaftlich zu eigen gemacht, und kaum jemand hat so viel erzählerisches Potenzial darin entdeckt, von ihrem oscargekrönten "Nirgendwo in Afrika", ebenfalls eine Flüchtlingsgeschichte, bis hin zu der gelungenen und sehr erfolgreichen Hape-Kerkeling-Verfilmung "Der Junge muss an die frische Luft".
Tobias Kniebe - SZ



Bernadette

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Die Romanvorlage bestand aus digitalen Spuren, aber weil Bildschirme im Kino nicht funktionieren, ist der Film ein eigenes Kunstwerk
Bernadette ist die Titel-Heldin in Richard Linklaters neuem Film, eine zweite Hauptrolle spielt ihr Haus, eine alte Villa mit Geheimzimmern und Park, auf charmante Art heruntergekommen und doch irgendwie gemütlich. Bernadette ist sozusagen vom Fach. Sie war einmal Architektin, und einmal taucht ein kleiner Dokumentarfilm über sie auf, der erklärt, was es mit ihr auf sich hat. Vor der Geburt von Bee galt sie als visionäre Architektin, aber ihr Paradeprojekt in Los Angeles wurde von einem dämlichen Fernsehstar niedergerissen. Der Beruf trieb Elgie nach Seattle und Bernadette in die innere Immigration.
Susan Vahabzadeh - sueddeutsche.de



Die schönste Zeit unseres Lebens

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Das eigentliche Zentrum der Geschichte aber ist Doria Tillier als Antoines Freundin Margot, die zugleich die Hauptrolle in der Reinszenierung von Victors Jugend spielt. Tillier hat ihre Karriere als Wetterfee und Fernsehschönheit begonnen, und eine Zeitlang erliegt man der Täuschung, dass sie nur wegen ihres Aussehens vor der Kamera steht. Doch dann begreift man, dass sie für Bedos dasselbe tut, was Fanny Ardant für Truffaut getan hat. Sie ist das Objekt der Begierde, das deren Subjekte an der Nase herumführt. In einer Szene spielt sie Auteuil, der sich in sie verliebt hat, ein Familienleben mit Mann und Baby in der Banlieue vor, und einen Moment lang glaubt man selbst, was er glauben soll. Dann, plötzlich, ist das Wohnzimmer nur Kulisse und der Säugling bloß ein Requisit. Gerade dadurch, dass er seine Täuschungen permanent enthüllt, weckt Bedos unser Bedürfnis, der nächsten, noch besseren Täuschung zu trauen. Wir alle haben unseren ganz persönlichen 16. Mai 1974 im Hinterkopf; es kommt nur darauf an, dass ein Film ihn trifft.
Andreas Kilb- FAZ



Lara

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Kaum zwei Minuten sind vergangen, da meint man schon, sehr viel über Lara zu wissen
Es ist schon erstaunlich, wie viel man hier über ein Leben erfährt, ohne dass die üblichen, eher schwerfälligen Mittel der Exposition bemüht werden. Kaum zwei Minuten Filmzeit sind vergangen, da meint man schon sehr viel über diese Lara zu wissen. Das leitet sich aus der Textur des Ortes und den gedrosselten Regungen der Titelheldin ab, so konsequent und genau, dass man sofort in die Geschichte hineingezogen wird. Der Regisseur Jan-Ole Gerster vertraut auf die Sinnlichkeit der Orte und die Kraft spärlichster Dialoge, beides immer noch kostbare Eigenschaften im deutschen Kino.
Anke Sterneborg - sueddeutsche.de



Lindenberg! - Mach dein Ding

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Wie aus einem strammen Jungen aus Nachkriegs-Westfalen ein Hamburger Hippie-Ikarus wird, der einmal gar auf einem LSD-Trip über die Reeperbahn schwebt: Das verspricht ein Film-Fest, welches sich Regisseurin Hermine Huntgeburth in „Lindenberg! Mach Dein Ding“ nicht entgehen lässt. Sondern sie setzt, wie schon das Ausrufezeichen andeutet, auf die volle Kirmes nicht nur mit Pauken und Trompeten, sondern mit dem ganzen Panikorchester, wie es zu Udo Lindenberg bis heute gehört.
Und um es gleich zu sagen: Der Film macht dies meisterlich, vom Szenenbild bis zu den reichlich gezeigten Unterhosen. Und bis zum Casting (Simone Bär), dabei von den Nebenrollen bis zum wunderbaren Hauptdarsteller Jan Bülow, der im einen Moment schauen kann wie ein aus dem Korb gestoßener Welpe, nackt (bis auf die udopische Brustbehaarung natürlich) und schutzbedürftig; im anderen ein wie harter Hund mit klarem Erfolgsziel, dem auch Freundschaften nicht im Weg stehen. Knallhart kann er etwa seinem treuen nicht nur musikalischen Weggefährten Steffi Stephan (hier gespielt von Max von der Groeben) ins Gesicht sagen, er sei „mehr so’n bisschen ein Lottobassist: ab und zu mal drei Richtige“, und ihn aus der Band schmeißen.
Jan Wiele - FAZ



Official Secrets

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„Official Secrets“ erzählt die Geschichte um die Whistleblowerin Katharine Gun, die 2013 brisante Informationen der NSA über den Irak-Krieg leakte. Die Geschichte wird realitätsnah und mitreißend erzählt.
Jeder weiß, wer Edward Snowden ist. Auch Chelsea Manning ist den meisten ein Begriff. Die Übersetzerin Katharine Gun hingegen wurde nicht weltberühmt durch das große Risiko, das sie einging: Sie leakte 2003 eine schriftliche Anweisung der NSA an sie und ihre Kollegen beim britischen Nachrichtendienst GCHQ, gezielt die Vertreter kleinerer Mitgliedstaaten des UN-Sicherheitsrates auszuspionieren. Amerika und Großbritannien wollten gemeinsam den Irak-Krieg durchsetzen und erhofften sich die Zustimmung des Gremiums – dafür waren sie auch bereit, andere mit belastenden Informationen zu erpressen. Die Geschichte dieses Leaks und der anschließenden Strafverfolgung Katharine Guns ist feinstes Kinomaterial. Umso erstaunlicher, dass nicht einmal Guns Landsfrau Keira Knightley sie kannte, die die Whistleblowerin in „Official Secrets“ darstellt.
Julia Bähr - FAZ



Vom Gießen des Zitronenbaums

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Gleichermaßen apathisch wie sympathisch irrt Suleiman in seinen neuen Film „Vom Gießen des Zitronenbaums“ umher. Im Original heißt er „It Must Be Heaven“ und handelt nur allegorisch von jenem Baum, der mit seinem Land wortwörtlich verwurzelt ist und die Frage aufwirft, inwiefern es auch seine Bewohner und Bewohnerinnen sind oder sein können. Stattdessen dreht er sich um die kleinen, stillen Momente und lässt in ihnen das Große, Laute erkennen. In Vignetten, die an Sketches von Jacques Tati oder Buster Keaton erinnern können, aber etwas Wehmütigeres in sich tragen, entwirft Suleiman ein Mosaik der Gegenwart. So reist sein Alter Ego, wie auch der Regisseur im Laufe seines Lebens, aus Nazareth nach Paris, dann nach New York und irgendwann zurück in die Nähe des Zitronenbaums.
Lili Hering - FAZ




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