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Filme auf unserer Kellerliste


Heikos Welt
von Dominik Galizia
Deutschland 2021, 118 min

 

Von Kneipen, prekären Existenzen, Alkoholexzessen und Mutterliebe - Eintauchen in die skurrile Welt schräger Figuren an einer Theke im Berliner Wedding
Muss es immer gepflegte Arthouse-Kost sein? Wir fordern euch mal mit "Heikos Welt" heraus, einer mit Crowdfunding finanzierten Low-Budget-Komödie, deren liebevolle Verherrlichung einer versoffenen Berliner Randexistenz wohl niemals Geld von Filmförderung und öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten bekommen hätte.
Die Figur des Heiko tauchte erstmals in dem Musikvideo Nettelbeckplatz von Shacke One auf und gewann mit der YouTube Serie "Heikos Welt" eine wachsende Fan-Gemeinde. Einige Fans konnten wir in den Tilsiter Lichtspielen erleben, die ihrem "Helden" Heiko zujubelten und - um es ihm gleichzumachen - ständig frisch gezapftes Bier holen gingen.
"Das ist ja wie Rocky Horror Picture Show", meinte Renate nach der Vorstellung, und wir sind gespannt auf die Stimmung im Keller, wenn fränkische Zurückhaltung auf Berliner Eckkneipen-Kultur trifft. Jenseits von Fan-Kult ist "Heikos Welt" doch auch eine ziemlich gute Komödie ohne überdrehte Gags geworden. Und aus dem Laiendarsteller Martin Rohde ist über Nacht ein Filmschauspieler geworden, der auf dem Filmfest München 2021 für seine schauspielerische Leistung in “Heikos Welt” mit dem Förderpreis Neues Deutsches Kino ausgezeichnet wurde.
Der Regisseur Dominik Galizia schreibt über seinen Film: "'Heikos Welt' ist ein Film über Bier, Darts und Mutterliebe. Mir war es wichtig, diese drei Themen so authentisch wie möglich zu porträtieren, ohne sich dabei zu ernst zu nehmen. Das Zentrum dieser Welt: Die Berliner Kultatze Heiko in seiner ersten Hauptrolle. Eine Komödie zwischen Humor und Tragik, Hotel Mama und Kneipe, Schweiß und Tränen, Bier und Futschis [Longdrink aus Cola und Weinbrand]."




A E I O U - Das schnelle Alphabet der Liebe
von Nicolette Krebitz
Deutschland 2022, 105 min

 

Es ist eine unwahrscheinliche Lovestory, die Krebitz ausbreitet. Wie französisches Kino in Berlin. So richtig stilecht mit einer Amour Fou und surrealen Einsprengeln, mit vielen lässig gerauchten Zigaretten und kleinen Gaunereien. Im letzten Teil des Films flieht das Paar in einer Nouvelle-Vague-Variation an die Côte d'Azur. Was folgt, ist ein flirrender Freiheitsrausch: Wie Kinder streifen sie als Taschendiebe durch die Altstadtgassen, baden nackt im Meer und schlafen endlich miteinander. "Sie sind außer Atem", zitiert Rois aus dem Off Jean-Luc Godard, als die beiden im Bett liegen.

Annett Scheffel - Süddeutsche Zeitung



Der schlimmste Mensch der Welt
von Joachim Trier
Norwegen 2021, 127 min

 

Der schlimmste Mensch der Welt

"Der schlimmste Mensch der Welt" ist der dritte und letzte Teil der Oslo-Trilogie von Joachim Trier. Der norwegische Regisseur gilt, völlig zu Recht, als eines der großen europäischen Talente seines Fachs, als ein Beschwörer dunkler, existenzieller Gefühle und Ahnungen. Die nur lose thematisch verbundene Oslo-Reihe endet nun aber, wer hätte das gedacht, als ein leichtherziges romantisches Drama, stellenweise fast schon als eine romantische Komödie. Rückblickend wirken die ersten beiden, bereits hervorragenden Oslo-Filme wie ein Reifeprozess für einen großen Film über die Liebe, das Leben, nichts Geringeres - für ein Meisterwerk, das darf man hier ruhig mal schreiben.

Philipp Bovermannl - Süddeutsche Zeitung


Elvis
von Baz Luhrmann
Australien, USA 2022, 159 min

 

Elvis

Wer kennt oder hört heute noch Elvis? Für viele ist der erste ikonische und weltweit gefeierte Rockstar mehr ein Mythos aus grauer Vorzeit, doch die gut gealterten unter uns, verbinden Erinnerungen aus früher Jugendzeit mit ihm. Mach die "Negermusik" aus, schimpften meine Eltern ... und dabei gab es nur einmal in der Woche am Donnerstag eine Sendung im Bayerischen Rundfunk, die uns mit "unserer" Musik versorgte. Ein Tonbandgerät war eine Sache des Überlebens. Versöhnt wurde meine Mutter mit Elvis, als er - stationiert in Deutschland - "Muss i denn zum Städtele hinaus" sang.
Baz Luhrmann's Biopic ist eine fazinierende Bild- und Musik-gewaltige Tour de Force durch das Leben von Elvis. Elvis ist fasziniert vom Gospel und den afro-amerikanischen Musikern in seinem Umfeld und transformiert deren Musik - wie später Eric Burdon - in eine der Ekstase ... der Rock'n Roll war geboren!
"Elvis saugt diese Kultur [des Gospel und Blues] mit der Mutter­milch auf und kann mit diesem ja noch überhaupt nicht legalen Spagat zwischen zwei Kulturen auch gut leben und erar­beitet sich mit seiner Musik dann auch ein Allein­stel­lungs­merkmal. Denn es gelingt ihm mit seiner musi­ka­li­schen Trans­for­ma­tion, einen der Grund­bau­steine ameri­ka­ni­scher Gegen­kultur zu legen, der anders als vergleich­bare Größen der ameri­ka­ni­schen Counter Culture wie Pete Seeger, nicht nur das Great American Songbook mit dem Banjo bediente, sondern mit der Inkor­po­ra­tion von afro-ameri­ka­ni­schen Musik­ele­menten und der dementspre­chenden Körper­sprache zum ersten Mal ein Publikum (und zwar vor allem Frauen), zu eksta­ti­schen Momenten führen konnte, später und bis heute eine Selbst­ver­ständ­lich­keit moderner, populärer Musik. Aber damals in den 1950er Jahren so neu und furcht­ein­flößend, dass Elvis in Konflikt mit dem Gesetz kam." Axel Timo Purr - artechock.de


Der Engländer, der in den Bus stieg und bis ans Ende der Welt fuhr
The Last Bus
von Gillies MacKinnon
Großbritannien 2021, 86 min

 

Der Engländer, der in den Bus stieg und bis ans Ende der Welt fuhr

Ein leises, tragikomisches Roadmovie
Schon für die großartige Darstellung von Timothy Spall lohnt es sich, in den Keller zu kommen! Spall ist einer der großen Schauspieler seiner Generation und der Gesichtsausdruck ist unverkennbar: Er schaut in die Welt, als hätte er gerade erfahren, dass die Regierung das Teetrinken verboten hat.
In "The Last Bus" - so der eingängigere Originaltitel - spielt er einen Greis, der sich auf eine 1.300 Kilometer lange Reise mit dem öffentlichen Nahverkehr macht. Eigentlich ist Spall erst 65, aber uralt sieht er in den Filmen schon immer aus. Er will - wie vor ihrem Tod versprochen - die Asche seiner Frau dort hinbringen, wo sie sich einst kenngelernt hatten und glücklich waren. Von Schottland nach Land's End Cornwall geht die abenteuerlich Reise durch Landschaften und Begegnungen ganz unterschiedlicher Art.
"Der Film ist ganz und gar ein klassisches Road Movie, nur mit dem Unterschied, dass der Weg hier nicht das Ziel ist. Für Tom ist es unerlässlich, dass er sein Ziel erreicht. Es ist die letzte Reise, die er in diesem Leben unternehmen will, eine, die er schon vor langen Jahren antreten wollte, für die er nun aber mehr Grund als je zuvor hat. Eine Reise voller Erinnerungen. An glücklichere Tage, aber auch an düstere, an ein volles Leben, das doch nie das sein konnte, was sich das junge Paar im Jahr 1950 versprochen hatte."
Peter Osteried - programmkino.de


 

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