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Die sechste Staffel startet am 21. Juni 2017 nach den Pfingstferien

Aufgepasst: unterschiedliche Anfangszeiten, je nach Länge des Films!

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MI 21. Juni 2017
18:00 & 20:30 Uhr
Ziemlich beste Freunde

von Olivier Nakache & Eric Toledano
Frankreich 2011, 112 min

 

Es ist ja schon eine kleine Tradition, eine neue Staffel mit einer französischen Komödie zu beginnen. Da dachten wir, doch mal den Klassiker und wohl bisher erfolgreichsten aller französischen Komödien in den Keller zu holen.

„Ziemlich beste Freunde“, einer der erfolgreichsten französischen Filme der letzten Jahre, vereint Ungleiches zart und witzig. Die auf einer wahren Geschichte beruhende Tragikomödie ist rührend, ohne jemals peinlich zu sein.

[...] Seine große rührende Kraft zieht der Film von Olivier Nackache und Eric Toledano, die für Drehbuch und Regie verantwortlich zeichnen, aber auch aus der Tatsache, dass er auf einer wahren Begebenheit beruht. Man sieht die beiden Männer, deren Geschichte hier erzählt wird, ganz am Ende des Films in einer kurzen, mit einer Handkamera gedrehten Sequenz auf dem Gipfel eines Berges stehen. Philippe Pozzo di Borgo war Direktor bei der Champagnerfirma Pommery, bevor er verunglückte und dem aus der Pariser Banlieue stammenden Abdel Sellou begegnete.

Ihrer beider Geschichte hat Pozzo di Borgo im Jahr 2001 in dem Buch „Le second souffle“ beschrieben, nur wenig später waren sie in einer bekannten französischen Fernseh-Talkshow zu Gast, und schließlich drehte ein Team dieser Sendung eine kleine Dokumentation über die beiden. Die erst brachte Nackache und Toledo auf die Idee zu dem Film.

Das Herz am rechten Fleck
Mit ihm ist das seltene Kunststück gelungen, aus einem schon in der Wirklichkeit vor Kitsch kaum auszuhaltenden Stoff eine Tragikomödie zu machen, die wirklich rührend und amüsant ist, ohne peinlich zu sein. Das liegt zum einen an den Leistungen der Schauspieler, dem dreiunddreißig Jahre alten Omar Sy, der Driss als einen Clown mit dem Herzen am rechten Fleck gibt.

Aber vor allem liegt es an François Cluzet, dem ja die schwierige Aufgabe zukommt, einen Menschen darzustellen, der sich allein seiner Mimik bedienen muss, um sich mitzuteilen. Es gelingt großartig. Gerade sein halb freiwilliges, halb unterdrücktes Lachen, dem so deutlich anzusehen ist, dass Philippe sich selbst kaum wiedererkennt, weil er die schelmischen, auch plumpen Witze seines neuen Freundes wirklich lustig findet, ist wunderbar ansteckend. [...]

Die komplette Kritik von Lena Bopp in der FAZ lesen

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MI 28. Juni 2017
18:00 (OmU) ⇒ FLVEG Filmclub
20:30 Uhr in deutscher Fassung
Paterson

von Jim Jarmusch
USA 2016, 118 min

 

Ende letzten Jahres hat uns Jim Jarmusch einen Film wie ein Gedicht geschenkt... und der sonst in "Girls" oder "Frances Ha" Frauen verschlingende Spitzbube Adam Driver ist hier brilliant als dichtender Busfahrer.

"Emphatischer kann man über Dichtkunst kaum erzählen
Paterson liest „Paterson“ in Paterson: Jim Jarmuschs neuer Film ist ein leises Meisterwerk, das die sonstige laute Kinokonkurrenz stumm machen sollte vor Neid.

Alle Wege in Paterson führen wieder nach Paterson. Der Bus weist als Zielort Paterson aus, der Busfahrer heißt mit Vornamen Paterson, und sein Lieblingsbuch ist „Paterson“, das große epische Gedicht, das William Carlos Williams über dreißig Jahre hinweg verfasst hat. In Jim Jarmuschs Spielfilm „Paterson“ erscheint die gleichnamige Mittelstadt im Bundesstaat New Jersey als in sich eingeigelter Ort, und das Leben von Paterson, dem jungen Mann, ist mindestens so hermetisch wie sein Wohnort Paterson. Natürlich ist der Film auch dortselbst gedreht worden.[...]

"Emphatischer kann man über Dichtkunst kaum erzählen, als Jarmusch es hier tut. Dabei erfolgt es vollkommen unaufgeregt, durch die schiere Evidenz der Freude an der Verskunst, die auch ein kleines Mädchen pflegt, mit dem sich Paterson unterhält - einem der zahlreichen Zwillinge, die diesen Film bevölkern, seit Laura ihrem Mann von einem nächtlichen Traum erzählt, in dem sie Zwillingsnachwuchs bekommen haben. Die zahllosen Sehnsuchtssignale, die der Film setzt, kulminieren in der Begegnung mit dem Japaner, der Paterson beim Abschied ein Geschenk macht, das dessen Leben wieder einen Anstoß gibt - und gerade damit einen neuen Grund, in Paterson zu bleiben. So wunderbar über Heimat und Befremdung durch die Kunst haben sonst in den letzten zwanzig Jahren nur Wayne Wang mit „Smoke“ und Wong Kar-Wai mit „My Blueberry Nights“ erzählt, beides nicht zufällig asiatische Regisseure in Amerika. Mit Jim Jarmusch ist ihnen nun derjenige unter den amerikanischen Kollegen gefolgt, der schon immer eine Art Zen-Haltung beim Filmemachen kultiviert hat."

Die vollständige Kritik von Andreas Platthaus in der FAZ lesen

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MI 5. Juli 2017
18:00 & 20:00 Uhr
Le Weekend

von Roger Michell
England, Frankreich 2013, 93 min

 

In Paris, das gilt als ausgemachte Sache, ist die Romantik zu Hause. Generationen von Paaren pilgerten schon dorthin, und eigentlich ist es nicht weiter verwunderlich, wenn dabei eher ein Beziehungstest herauskommt: Was schweißt mehr zusammen, ein bezahlbares Hotelzimmer mit dem Charme eines Container-Auffanglagers oder die Aussicht darauf, gemeinsam einen Kleinkredit aufzunehmen, um die Kosten für einen 48-Stunden-Trip zu bezahlen?

So ähnlich geht es auch Meg und Nick. Als der Zug durch den Tunnel unter dem Ärmelkanal rauscht, sind sie noch voller Vorfreude. Als Meg das Hotelzimmer in Paris sieht, rastet sie aus. Das liegt zum einen daran, dass das Hotelzimmer einigermaßen zentral liegt, dies aber das einzige ist, was man zu seiner Verteidigung vorbringen kann. Und zum anderen liegt es daran, dass Meg Nicks Knauserigkeit satt hat, und zwar schon lang - die beiden sind Anfang sechzig und schon sehr, sehr lange verheiratet. Paris sollte eigentlich die Stimmung der Hochzeitsreise wiederherstellen. Pustekuchen.

Der großartige Roman- und Drehbuchautor Hanif Kureishi - das Script zu Stephen Frears' "Mein wunderbarer Waschsalon" stammte beispielsweise von ihm - hat "Le Week-End" geschrieben, Regie führt Roger Michell - der hat mit "Notting Hill" eine der erfolgreichsten romantischen Komödien überhaupt gedreht, was dann zunächst einmal die Erwartungen recht hoch schraubt.

Für eine romantische Komödie ist die vermeintliche trauliche Zweisamkeit, die zum Ehezerstörungstrip mutiert, jedenfalls klassisches Terrain. Die Idee, das dann auch ganz klassisch durchzuspielen, bloß halt mit einem Paar, das schon ein wenig angegraut ist - die ist fabelhaft; und es ist auch tatsächlich eine, die es vorher noch kaum gegeben hat. Das Durchschnittsalter der Kinofiguren in den letzten Jahren hat zwar deutlich angezogen, lustige Liebesgeschichten waren aber nicht viele dabei. [...]

Die komplette Kritik von Susan Vahabzadeh in der Süddeutschen Zeitung lesen

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MI 12. Juli 2017
18:00 & 20:15 Uhr
Julieta

von Pedro Almodóvar
Spanien 2016, 99 min

 

Pedro Almodóvar: Julieta

In seinen letzten Filmen verlor sich Pedro Almodóvar in Gefühlskitsch und Manierismen, doch mit dem Beziehungsdrama „Julieta“ knüpft er wieder an seine besten Zeiten an.

[...] Pedro Almodóvars neuer Film „Julieta“ beginnt damit, dass Julieta, eine Frau um die fünfzig, ihr Mobiliar in Kisten packt. Sie will mit dem Mann, mit dem sie lebt, das Land verlassen und anderswo neu anfangen. Einen Augenblick später unterbricht sie ihr Tun, um eine Besorgung zu machen. Auf der Straße wird sie von einer jungen Frau angesprochen, die sich als alte Freundin von Julietas Tochter Antía entpuppt. Die Frau erzählt, sie habe Antía vor kurzem in der Schweiz getroffen. Julietas Gesicht erstarrt. Dann geht sie zurück nach oben, packt ihre Kisten fertig, verlässt das Apartment ihres Geliebten und nimmt sich eine Wohnung in einem anderen Viertel von Madrid, in einem Haus, in dem sie vor langer Zeit gelebt hat.

Julieta also packt ein, aber die erzählerische Bewegung, die dieser Film wie jeder andere Film von Pedro Almodóvar vollführt, ist genau umgekehrt. In Almodóvars Kino werden Kisten ausgepackt: Kisten der Ehe, der Familie, der Kindheit, der vergeudeten Jugend, Kisten des Verbrechens und des Liebesbetrugs. Und in allen steckt das Gleiche: Schuld. Wenn es einen Zauberstoff gibt, der die Melodramen von Almodóvar antreibt, dann ist es die Erkenntnis der Schuld und die Reue, die ihr folgt, manchmal sehr spät, wie in „Schlechte Erziehung“, dem Meisterwerk von 2004, in dem ein Mörder Jahre nach der Tat vor die Kamera tritt, um die Geschichte seines Opfers nachzuspielen. [...]

Die komplette Kritik von Andreas Kilb, der auch auf die dem Film zugrunde liegenden Erzählungen von Alice Munro eingeht, in der FAZ lesen

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MI 19. Juli 2017
18:00 (OmU) ⇒ FLVEG Filmclub
20:30 Uhr in deutscher Fassung
Der große Diktator

von Charles Chaplin
USA 1940, 125 min

 

"[...] Chaplin führt bei dieser Produktion - die sein größter Erfolg wurde - nicht nur selbst Regie, sondern spielt eine Doppelrolle: zum einen einen namenlosen, jüdischen Friseur, zum anderen einen Diktator. Der Friseur verliert bei einem Flugzeugabsturz im Ersten Weltkrieg sein Gedächtnis und beginnt Jahre später im Getto einer großen Stadt sein neues Leben. Diese Stadt liegt im Machtbereich des Diktators Hynkel.

Der Friseur wird als Widerstandskämpfer enttarnt und in ein Konzentrationslager gebracht. Bei einer Entenjagd fällt Hynkel in einen See, der neben dem KZ liegt, aus dem der Friseur gerade ausgebrochen war. Es kommt zur Verwechslung: Hynkel wird als Ausbrecher aus dem Wasser gezogen, während der Friseur vor dem Volk eine leidenschaftliche, pazifistische Rede hält.[...]

Es wurde kritisiert, der Film verharmlose den Nationalsozialismus und Faschismus. Der Diktator wirke wie eine lächerliche Marionette. Das KZ erscheine als Gefängnis, in dem es sich leben lasse und aus dem man auch relativ einfach ausbrechen könne. Im Getto herrsche Kleinstadtidylle. Und den im Film gezeigten Widerstandskämpfern werde ein politisches Anliegen abgesprochen, sie kämpften nur ums persönliche Wohlergehen.

„Was das Komische an Hitler betrifft, möchte ich nur sagen, daß es, wenn wir nicht ab und zu über Hitler lachen können, noch viel schlechter um uns bestellt ist, als wir glauben“, entgegnete Chaplin solchen Vorwürfen. Und der Filmkritiker Sergej Eisenstein erklärte: „Eine großartige, vernichtende Satire, dem Sieg des menschlichen Geistes über die Unmenschlichkeit zum Ruhm. [...]"

Den kompletten Bericht Alte Hitler-Parodie in neuer Qualität in der FAZ lesen

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MI 26. Juli 2017
18:00 & 20:15 Uhr
Tschick

von Fatih Akin
Deutschland 2016, 93 min

 

"Komm Maik, wir fahr'n um den Block"
Und dann ist Maik natürlich nervös, weil das Auto geklaut ist, und Tschick sagt, es sei nur ausgeliehen, und wegen der Fingerabdrücke brauche man sich nun wirklich keine Sorgen zu machen, das sei "Fernsehscheiß". Alles Herrndorf. Den schicksalhaften Satz, der dann kommt, spricht Anand Batbileg überraschend verhalten aus, beinahe lyrisch: "Komm Maik, wir fahr'n um den Block." Dann schiebt er noch so ein winziges, nur angedeutetes Lächeln hinterher, das aber so rührend und verheißungsvoll ist, dass man wirklich einfach einsteigen muss.

Wie die beiden nun losfahren, um erst bei der Party von Super-Tatjana, bei der sie als Einzige nicht eingeladen sind, noch einen Auftritt mit qualmenden Reifen hinzulegen, und dann über Rahnsdorf nach Süden zu brettern, Richtung "Walachei" - das folgt nicht nur getreulich der Spur des Romans. Es sieht auch einfach sehr gut aus - die schnurgeraden, Weizenfelder zerteilenden Landstraßen des Ostens, die einsamen Kreuzungen zwischen Kühen, Maisfeldern und Windkraftanlagen, an denen die Frage, wo eigentlich Süden ist, grundsätzlich nach Gefühl entschieden wird.

Dazu läuft dann tatsächlich in voller Lautstärke "Ballade pour Adeline" von Richard Clayderman, leicht eiernd. Für die Musikanlage des Lada gibt es nur dieses eine verstaubte Kassette, was will man machen. Und wenn man sich in Erinnerung ruft, wie Herrndorf in seinem Schreibens- und Sterbensblog "Arbeit und Struktur" sich noch wie ein Schnitzel über diesen Einfall gefreut hat, dann ist es schon wirklich groß, das jetzt genau so zu sehen und zu hören. Da liegt dann fast ein kosmisches Lächeln über der Szene. [...]

Unbedingt Die komplette Kritik von Tobias Kniebe in der Süddeutschen lesen

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MI 13. September 2017
18:00 & 20:15 Uhr
Vor der Morgenröte

von Maria Schrader
Österreich, DE, FR 2016, 106 min

 

Der österreichische Kabarettist und Schauspieler Josef Hader spielt den Schriftsteller Stefan Zweig als Exilanten in Brasilien. Kann das gutgehen? Und wie! Hader ist sensationell. Im Film von Maria Schrader - mit Aenne Schwarz, Matthias Brandt, Barbara Sukowa - blühen die irrsinnigsten tropischen Pflanzen, und Zweig, die Pflanze aus Wien, leidet. Er lebt komfortabel, während in Europa gestorben wird. 1942 nahm er sich in Petrópolis das Leben. Hader führt diesen Zweig, der gefeiert wird im Zukunftsland Brasilien, geradezu zärtlich in den Untergang.

Claudia Tieschky in der Süddeutschen Zeitung

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MI 20. September 2017
18:00 & 20:00 Uhr
Im Spinnwebhaus

von Mara Eibl-Eibesfeldt
Deutschland 2015, 90 min

 

Im Spinnwebhaus

"Wiedererwachtes deutsches Kino
Worauf alle warten – eine Debütantin hat es geschafft: Mara Eibl-Eibesfeldts „Im Spinnwebhaus“ erweckt das fantastische deutsche Kino neu.

"Im Spinnwebhaus“, dem ersten Langfilm der Regisseurin Mara Eibl-Eibesfeldt, ist die Ausnahme der Ausnahmen. Man muss das fantastische Kino schon sehr lieben, um es da abzuholen, wo es einmal war, bei der Kunst.

Die wunderbar-fragile Sylvie Testud spielt als psychisch kranke Mutter nur eine Nebenrolle in dieser märchenhaft-unheimlichen Überlebensgeschichte dreier Kinder. Als es ihr nicht gelingt, diese bei ihrem Vater unterzubringen, überträgt sie ihrem 12-jährigen Sohn Jonas die Obhut für die zwei jüngeren Geschwister. Was nun beginnt, erinnert zunächst inhaltlich an „Nobody Knows“, das epische Kammerspiel des großen Japaners Hirokazu Koreeda. Wie in diesem meisterhaften Überlebensdrama kippt das Abenteuer ins Drama, als das jüngste Kind erkrankt und die Situation den Bruder überfordert. [...]

Wenn sich das Haus der Kinder in ein geheimnisvolles Biotop verwandelt, sich in Kinderaugen zusehends von selbst verschönert durch barocke Spinnweben, ist der Film bei sich. Jürges’ Kamera lässt den Mikrokosmos der Ameisen auf dem Küchenherd in schillernden Detailaufnahmen strahlen. Es ist die kindliche Lust am Unheimlichen und Verbotenen, von der dieser Film erzählt.

Die einnehmende Unheimlichkeit spitzt sich zu, als der Junge in einem jungen Mann einen zwielichtigen Helfer findet. Der schiebt ihn mit dem Fahrrad durch einen nächtlichen Wald in seine kerzenbeleuchtete Hütte. Dort gibt es noch mehr Spinnweben zu bewundern und wenig mehr zu fürchten als dezenten Gothic-Rock, zu dem er den Jungen das Tanzen lehrt. Etwas verstörend allerdings sind die merkwürdigen Ansichten dieses versponnenen Zeitgenossen. Spinnen erklärt er zu Heiligen. Und das Erwachsenwerden, in einem kleinen Gedicht, zum Verderben: „Es nimmt dir die Luft und lässt dich sterben.“ Schwer für den kleinen Jonas, sich da noch zurechtzufinden. Dass man es ihm dennoch zutraut, liegt nicht zuletzt an der Präsenz seines Darstellers: Ben Litwinschuh [...]"

Die komplette Kritik von Daniel Kothenschulte in der Frankfurter Rundschau lesen


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