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Im Kulturkeller Weinhaus Mehling, Hauptstrasse 30, 97816 Lohr am Main Eintritt: 5 € |
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Rückkehr nach Ithaka |
Rückkehr nach IthakaPressestimmenWie in alten Überlieferungen üblich, gehen auch bei Uberto Pasolinis Film epische Tragödie und evolutionär verwurzelte Gewalt Hand in Hand. Nur nimmt sich Pasolini diesbezüglich in der dramatischen und visuellen Inszenierung sehr zurück. Noch vor Nolans „The Odyssey“ und nach dem noch immer relevanten „Troy“ von Petersen, ist Pasolinis Odysseus-Erzählung die Antithese zum Spektakel. Dennoch ist dieser Film nicht ohne Schauwerte, und das sind schlicht und ergreifend Juliette Binoche und Ralph Fiennes. Zwei herausragende Darsteller die mit ihrer Ausdruckskraft schon über zwei Kinogenerationen beeindrucken. Zwei, die selbst mit ausdrucksloser Miene viel mehr zu sagen verstehen, als mit den geschliffensten Dialogzeilen. Manchmal genügt ein einziger entschlossener Schnitt, um einen megamythologischen Stoff von all seinem dekorativen Ballast zu befreien. Uberto Pasolini macht genau das in Rückkehr nach Ithaka: Er nimmt Homers Epos, dreht es einmal um die eigene Achse, schneidet die Götter heraus, die Monster, die Sirenen, die mythologischen Ausweichmanöver. Was übrig bleibt, ist ein rohes Skelett aus Schmerz, Scham und Geschichte. Ein Stoff, der nicht länger antik wirkt, sondern wie eine dringliche Gegenwartsdiagnose: das Elend von Troya, das in unsere kriegsversehrte Gegenwart hineinspricht, ohne ein einziges aktuelles Bild bemühen zu müssen. Ralph Fiennes als Odysseus und Juliette Binoche als Penelope wählen die schauspielerische Strategie der Verinnerlichung des Konflikts und überlassen das plakative Anheizen lange den anderen. Fiennes präsentiert den geschundenen Kriegerkörper ohne Triumph, Binoche stellt das unterdrückte Sehnen nicht aus, und doch laden beider Figuren Ratlosigkeit und Verzweiflung die Atmosphäre mit zunehmender Spannung auf. Der Leidensdruck entlädt sich beim großen Aufräumen, als Penelope die Freier auf die Probe stellt und Odysseus sich zu erkennen gibt. Einmal noch bietet er alle Kraft auf; der Alte zeigt dem Jungen, wo der Hammer hängt, Odysseus führt den Telemachos in die männliche Tradition des Blutbadens ein. Mit Grauen sieht die Frau, zu welchem Tun das Leben, das sie spendet, fähig ist.
Trailer |
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