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Die 13. Staffel

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MI 28. November 2018
18:00 & 20:00 Uhr
Die brillante Mademoiselle Neila
Le Brio

von Yvan Attal
Frankreich 2017, 95 min

 

Pygmalion auf Französisch

"Neïla Salah hat es, trotz ihres nordafrikanischen Migrationshintergrunds, geschafft. Sie darf an der renommierten Pariser Assas Law School studieren. Doch gleich am ersten Tag des Semesters kommt sie zu spät. Der Hörsaal ist rappelvoll, und Professor Pierre Mazard (Daniel Auteuil), bekannt für seine spitze Zunge, ist nicht bereit, die Störung einfach so hinzunehmen: Wie sie heiße, ob Neïla der Vorname sei oder der Nachname, warum sie zu spät komme, warum sie sich nicht entschuldige. Mazard ist ein frauenfeindlicher und rassistischer Mistkerl, das merkt man sofort. Doch diesmal haben seine verbalen Ausfälle Folgen: Jemand hat den Zwischenfall aufgenommen und auf YouTube gestellt, der Dekan der Universität muss handeln: Entweder Mazard nähme seinen Hut. Oder er helfe Neïla, den alljährlichen Rhetorikwettbewerb zu gewinnen. Neïla ist zunächst gar nicht begeistert: Der zynische alte Mann hat sie zu sehr beschämt. Doch dann sieht sie die Chance, von dem versierten und eloquenten Rhetoriker all das zu lernen, was sie später einmal als Rechtsanwältin wissen muss."

programmkino.de

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MI 5. Dezember 2018
17:45 & 20:30 Uhr
Zwei Herren im Anzug

von Josef Bierbichler
Deutschland 2018, 138 min

 

"Die Kamera fährt über den großen bayerischen See auf einen Bootssteg zu, an dessen Ende das schmucke Gasthaus der Familie des Seewirts steht. An einem Spätsommertag im Jahr 1984 wurde die alte Seewirtin beerdigt, die Trauergäste sind gegangen und in der Gaststube sitzen nur noch der alte Seewirt Pankraz und sein Sohn Semi. Pankraz erinnert sich an den Sommer 1914, daran, wie er als kleiner Junge von seinem großen Bruder Toni aus dem See gezogen wird, an die euphorische Stimmung unter den Leuten bei der Mobilmachung. Toni kehrt als psychisches Wrack aus dem Ersten Weltkrieg zurück. Der Vater wird später bestimmen, dass Pankraz, der eine Karriere als Sänger hätte machen können, die Gastwirtschaft und den Bauernhof übernehmen muss.

In großartigen Kinobildern, die bis ins kleinste Detail präzise ausgestattet sind, erzählt Regisseur Josef Bierbichler in 138 Minuten eine Saga aus dem 20. Jahrhundert. Nach Motiven seines Romans „Mittelreich“, angelehnt an die Geschichte seiner Familie, hat er das Drehbuch geschrieben und die Rolle des Pankraz übernommen. Für Pankraz’ Kindheit und Jugend, die Jahre zwischen den Kriegen und seine Zeit als Soldat im Zweiten Weltkrieg sind die Bilder schwarz-weiß, ab Anfang der 50er Jahre, wenn Semis Erinnerungen einsetzen, werden die Bilder farbig. [...]

Bierbichler ist mit ZWEI HERREN IM ANZUG ein großes bayerisches Epos gelungen, das an die Tradition des Kinos von Fassbinder und Achternbusch anknüpft. Die Seewirtsfamilie ist wunderbar besetzt: Josef Bierbichler als Pankraz, Martina Gedeck als seine Frau Theres, Simon Donatz als Sohn Semi sowie Irm Hermann und Sarah Camp als seine Schwestern Philomena und Hertha. [...] Die Jury war begeistert, wie es Bierbichler gelungen ist, durch einen kleinen Kosmos die große Welt zu erzählen und vergibt einstimmig das Prädikat „besonders wertvoll“.

Auszug aus der Jury Begründung der Filmbewertungsstelle

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MI 12. Dezember 2018
18:00 & 20:30 Uhr
Gundermann

von Andreas Dresen
Deutschland 2018, 128 min

 

"Gundermann will den Sozialismus aufbauen, ehrlich, ohne Betrügereien. Dafür ist er bereit, unehrlich ein Doppelleben zu führen, als Kämpfer an der unsichtbaren Front. Tamara Bunke, die aus der DDR stammende Guerrillera, ist sein Vorbild. Spät, zu spät erkennt er, dass der Stasi-Chef Erich Mielke kein Che Guevara war, dessen Poster an Gundermanns Wand hängt. „Wo soll ich landen“, singt Gundermann und blickt aus vierundzwanzig Metern Höhe von seinem Bagger in die menschenleere, gespenstische Kraterlandschaft des Tagebaus.

Szenenwechsel. Ein Unsichtbarer klatscht, eine Stimme aus dem Off lobt: „Toll, tolles Lied!“ Tatort-Kundige erkennen Axel Prahl, noch bevor er ins Bild gerückt wird. Er spielt perfekt den Stasi-Offizier. Fand Gundermann, von seinem Vater getrennt und verstoßen, in seinem Führungsoffizier einen Vaterersatz?

Der Film erzählt auch die wunderbare Liebesgeschichte, wie er jahrelang und erfolgreich um Conny (Anna Unterberger), die mit einem anderen Musiker verheiratet ist, wirbt und wie sie einander in den turbulenten Nachwendejahren, aus denen Gundermanns bekannteste, melancholische Lieder stammen, stützen.

Schließlich ist „Gundermann“ auch ein Film, der neugierig macht auf den wenig bekannten Zipfel im südlichen Osten Deutschlands. Wer weiß schon, dass seit dem Einigungsvertrag von 1990 Sorbisch als Gerichtssprache in Deutschland anerkannt ist, wer kennt noch den Schriftsteller Jurij Brězan, den Roman „Franziska Linkerhand“ von Brigitte Reimann über Hoyerswerda oder Gundermanns ebenfalls dieser Stadt gewidmetes „Hoywoy“-Lied?"

Günther Platzdasch in der FAZ

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MI 19. Dezember 2018
18:00 (OmeU) ⇒ FLVEG Filmclub
20:00 Uhr in deutscher Fassung
Das Leben des Brian
Monty Python’s Life of Brian

von Terry Jones
UK 1979, 94 min

 

In den dunkelsten der dunklen Tage sollten wir uns eine Reise in die gleißende Sonne Palestinas gönnen. Muntere Reisebegleiter werde Monty Python sein, die das göttliche Ereignis knapp verpasst, dafür umso mehr Spass mit den römischen Besatzern haben.
Absolutes Kultkino!

Als die Comedy-Truppe Monty Python 1979 "Das Leben des Brian" ins Kino brachte, wurde der Film trotz Kirchen-Protest zum Hit. Heute würde er sich eine Jesus-Satire wie diese "zweimal überlegen", sagt Regisseur Terry Jones - die öffentliche Rolle der Religion sei viel stärker als damals.
Die anhaltende Bedeutung von "Das Leben des Brian" verwundert den Regisseur: "Ich staune, dass wir immer noch darüber diskutieren." Der Film sei vermutlich überschätzt, obwohl er zweifelsohne sehr gut sei: "Unser Ziel war es, einen lustigen Film zu drehen, aber es schadet nicht, ein paar Beleidigungen mitzuliefern."

Der SPIEGEL

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MI 9. Januar 2019
18:00 OmU & 20:15 Uhr
Der Buchladen der Florence Green
The Bookshop

von Isabel Coixe
Spanien, UK, Deutschland 2017, 110 min

 

"Im neuen Film von Isabel Coixet, zuletzt mit „Nobody Wants the Night“ in den Kinos, geht es um nichts weniger als die Liebe zum Buch, die Lust am Lesen, die Sehnsucht nach Fantasie und anderen Welten. Doch in der englischen Provinz der späten 1950er Jahre, einer Zeit, in der unterdrückte Gefühle, Klassenunterschiede und die Angst vor dem Unbekannten den Alltag bestimmen, sind dies auch sehr gefährliche Sehnsüchte, die eine mutige, idealistische Frau auf Konfrontationskurs mit der Dorfgemeinschaft schicken. Florence Green, dargestellt von Emily Mortimer („The Party“), hat im Krieg ihren Mann verloren. Von ihrem gesparten Geld erwirbt sie in Hardborough, einem verschlafenen Dorf an der Ostküste Englands, das etwas heruntergekommene Old House und macht daraus einen Buchladen. Ein mutiges Unterfangen, denn die Arbeiter und Fischer des Ortes sind wahrlich keine Leseratten. Und die Oberschicht hat so ihre eigenen Vorstellungen, was kulturell bedeutsam ist und was nicht. Doch Bücher wie Nabokovs „Lolita“ und Bradburys „Fahrenheit 451“ werden von den Kleinstädtern gern gekauft und verschlungen. Sehr zum Unwillen von Violet Gamart (Patricia Clarkson), einer vermögenden Dame mittleren Alters, die aus dem Old House lieber ein Kulturzentrum gemacht hätte. Nun lässt sie ihre Beziehungen spielen und beginnt, gegen Florence zu intrigieren. Nur einer eilt der Witwe zu Hilfe: Mr. Brundish (Bill Nighy), selbst ein Bücherwurm und auch sonst irgendwie anders."

programmkino.de

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MI 16. Januar 2019
18:00 & 20:15
Das Mädchen aus dem Norden

von Amanda Kernell
Norwegen, Dänemark, Schweden 2017, 110 min

 

Ein ruhiger, sanfter Film - eigentlich ein klassisches Melodram. Doch statt um die Liebe zwischen zwei Menschen geht es um die Hassliebe zum eigenen, unterdrückten Volk: Das samische Mädchen Elle Marja sagt sich als junges Mädchen von ihrer Familie los und macht sich auf in den schwedischen Süden, wo sie sich ein Leben erhofft, das ihr Gleichberechtigung und Anerkennung verschafft. In meist zurückhaltenden Farben und in wunderschönen Bildern zeichnet Amanda Kernell das differenzierte und gleichzeitig zärtliche Porträt eines ganz besonderen Mädchens, das sich nicht anpassen will und dafür ihre Herkunft verleugnet. Das ist tatsächlich große Filmkunst und auf unspektakuläre Art sehr ergreifend.

programmkino.de

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MI 23. Januar 2019
18:00 (OmU) ⇒ FLVEG Filmclub
20:00 Uhr in deutscher Fassung
Swimming With Men

von Oliver Parker
GB 2018, 94 min

 

"Swimming With Men" – Ein potentieller Klassiker

Eric, gespielt von Rob Bryden, ist Buchhalter in einem Londoner Bankhaus und hat seine besten Jahre bereits hinter sich. Während seine Frau als Lokalpolitikerin Karriere macht, zweifelt er immer mehr am Sinn seines Daseins, bis er von der Männer-Synchronschwimm-Gruppe in dem Bad angeheuert wird, in dem er seine Bahnen zog.
Die Truppe, die sich so redlich mit dem wenig männlichen Sport herumschlägt, ist zugleich ein Auffangbecken für die Ängste, die Einsamkeit, die Unsicherheit der wunderbar gespielten Herren. Nach ihrer eigenen Verfassung ist es etwa verboten, private Dinge beim Training zu bereden, doch natürlich werden nach und nach die großen und die kleinen Dramen sichtbar.
Größtenteils unförmige Männer, die sich ungelenk mit Nasenklammern im Gesicht im Becken zum Affen machen – das hätte ein furchtbar alberner Schlag ins Wasser werden können. Doch Regisseur Oliver Parker behandelt seine schwimmenden Protagonisten mit so viel Feingefühl. Er nimmt ihre Nöte, ihr angeschlagenes Selbstwertgefühl so ernst, dass sich neben dem Spaß schnell eine tiefe Sympathie zu dieser schwerfälligen Ballettgruppe herstellt. Der liebenswerte Film hat das Zeug ein Klassiker zu werden, wie einst "Ganz oder gar nicht".

Knut Elstermann, MDR KULTUR-Filmkritiker

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Mittwoch 30. Januar 2019
18:00 & 20:30
In den Gängen

von Thomas Stuber
Deutschland 2018, 125 min

 

In den Gängen

Ein Großmarkt ist nicht gerade ein Sinnbild für Heimeligkeit. Die endlosen Gänge, die riesigen Regale, der Geruch von Plastik und Pappe, das gellend kalte Neonlicht und hier und da ein Mitarbeiter in einem praktisch-widerstandsfähigen Kittel, der stumm vor sich hin Waren sortiert oder auch einen Gabelstapler durch die Gegend fährt. Und doch kann ein Großmarkt ein geschützter Raum sein. So wie in Thomas Stubers "In den Gängen".
In diesem Großmarkt irgendwo im Osten der Republik arbeiten Menschen, die in ihrem Leben ab und zu falsch abgebogen sind, von der Gesellschaft abgehängt wurden oder einfach kein Glück hatten. Die Routine und die Rituale dieses Großmarktes geben ihnen eine Heimat. Wenn es zur Nachtschicht zum Warensortieren geht, begrüßt Chef Rudi (Andreas Leupold) seine Mitarbeiter motivierend über die Lautsprecheranlage und legt eine seiner Lieblings-CDs ein. Zum Schichtende verabschiedet er sich per Handschlag von jedem Einzelnen.

Britta Schmeis im SPIEGEL


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