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Filme Januar / Februar 2023

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MI 11. Januar 2023
18:00 OmU & 20:15 Uhr
Das Leben ein Tanz

En Corps
von Cedric Klapisch
Frankreich 2022, 117 min

 

Das Leben ein Tanz

Endlich gibt es um 18:00 mal wieder eine französische Originalfassung mit Untertiteln.

Hätte sie nach dem Wunsch des Vaters mal lieber Jura studiert statt sich einen der brutalsten Berufe auszusuchen. Doch Elise - die erste Filmrolle der Tänzerin Marion Barbeau - brennt für das Ballett. Dass ihre Karriere schon mit 26 Jahren enden würde, war nicht Teil ihres Lebensplans.
"En Corps", so der Originaltitel, ist kein Film des an die Grenzen - Gehens, wie so viele Ballettfilme, "Black Swan" von Darren Aronofsky ist wohl das schrecklichste Beispiel. Klapisch ist an den Charakteren interessiert, an ihren Sehnsüchten, Schwächen, Schrullen. Und so ist dieser Film eine Tanzkomödie geworden, in der Elise nach ihrem tragischen Sturz - über den Umweg als Küchenhilfe in einer Künstlerresidenz in der Bretagne - wieder in ihren Traumberuf zurückfindet. Vom klassischen Ballett kommt sie zum modernen Tanz. Der aus Israel stammende Choreograph Hofesh Shechter spielt sich selbst, er gilt als einer der interessantesten Köpfe der internationalen Tanzszene.

Cédric Klapisch hat hier einen Kurzauftritt als Bühneninspizient und besiegelt damit seine Begeisterung für das Ballett, die sich unterschwellig in seinen Spiel- und explizit in seinen Dokumentarfilmen zeigt. In der Hauptrolle gibt Marion Barbeau, Primaballerina an der Opéra de Paris, ihr eindrucksvolles Kinodebüt
Seinem Thema nähert er sich als ein Regisseur der fruchtbaren Koexistenz. Den zeitgenössischen Tanz spielt er nicht gegen das klassische Ballett aus. Den altgedienten Exotismus der »Bayadère« rechnet er nicht auf gegen den aufgeklärten von Shechters »Political Mother«. Klapisch ist vielmehr neugierig auf die unterschiedlichen Codes, die in den zwei Disziplinen herrschen. Er erkundet die Ordnung, die hier strenger und dort freier ist, in der sich aber jeweils eine kollektive Energie Bahn bricht. Die Erfahrungen, die Klapisch in seinen Dokumentarfilmen über das Ballett der Opéra de Paris gesammelt hat, zahlen sich aus: Der Tanz braucht Raum, keine Montage. In ausgreifenden Plansequenzen betrachtet Kameramann Alexis Kavyrchine die Choreographien und bringt ihre Lebhaftigkeit feinnervig zur Geltung. Ballettszenen geraten auf der Leinwand oft zu Leerstellen der Virtuosität und Ehrfurcht. Klapisch jedoch nutzt sie, um von den Körpern der Tanzenden zu erzählen, also von ihren Erfahrungen, Ambitionen und Hoffnungen.
Gerhard Midding - epd-FILM

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MI 18. Januar 2023
18:00 & 20:00 Uhr
Elfriede Jelinek
Die Sprache von der Leine lassen
von Claudia Müller
Deutschland 2022, 96 min

 

Elfriede Jelinek - Die Sprache von der Leine lassen

Künstler ganz nah: Nach "Igor Levit" kommt jetzt die Künstlerdokumentation "Elfriede Jelinek" ins Kino. - Wie "Igor" uns in seinen Bann zog, so kommen wir "Elfriede" in Claudia Müllers Film unglaublich nahe. Keine Satzfetzen von Kritikern und Freunden zerstückeln den Film, nur Elfriede Jelinek selbst kommt zu Wort, im spannenden und witzigen Interview einerseits und durch ihr Werk andererseits, das von namhaften Schauspielern rezitiert wird.

Wunderkind, Skandalautorin, Feministin, Modeliebhaberin, Kommunistin, Sprachterroristin, Enfant terrible, geniale, verletzliche Künstlerin – zum allerersten Mal wird hier in einem Kinofilm die Geschichte von Leben und Werk der unvergleichlichen Elfriede Jelinek erzählt, der ersten österreichischen Schriftstellerin, die mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet wurde.
Jelinek steht in der Tradition der österreichischen "Nestbeschmutzer". Thomas Bernhard kommt in den Sinn, aber vom scharfen Witz her, ist Karl Kraus wohl näher. Die sonst so verschlossene Dichterin, die nur durch ihr Werk sprechen will, öffnet sich im Interview mit Claudia Müller und erzählt pointiert und witzig über ihre Jugend und ihre Hassliebe zur erzkatholischen, von Ehrgeiz besessenen Mutter. Auch über ihre Ängste und ihre Entfremdung von der - vor allem östereichischen - Öffentlichkeit spricht sie offen.
In einem Interview antwortet die Regisseurin Claudia Müller auf die Frage, was sie an Jelineks Werk fasziniert:
"Das Radikale, das von starken Emotionen angetrieben wird. Elfriede Jelinek sagt ja selbst von sich „Ich bin eine Triebtäterin!" Sie ist getrieben und es liegt auch eine unglaubliche Kraft in diesen Texten und eine Dringlichkeit.
Ich finde es auch faszinierend, wie standhaft sie geblieben ist. Wie sie sich immer wieder allem gestellt hat, diesen ganzen Skandalen – ob es „Lust" ist, wo ihr Pornografie vorgeworfen wurde, oder „Burgtheater", dieses Theaterstück in dem sie die Nationalheiligen, die Burgschauspieler Paula Wessely und Attila Hörbiger, und deren nationalsozialistische Vergangenheit entlarvt und in dieser Wunde gekratzt hat. Sie musste das machen, auch, wenn es für sie schwerwiegende Konsequenzen hatte. Ab da war sie nämlich die „Nestbeschmutzerin".
Mich fasziniert auch ihr Humor, diese Ironie, die oft missverstanden wurde."

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MI 25. Januar 2023
18:00 & 20:00 Uhr

DO 26. Januar 18:00 Uhr

Mittagsstunde

von Lars Jessen
Deutschland 2022, 93 min

 

Mittagsstunde

2022 war ein gutes Jahr für den deutschen Film und "Mittagsstunde" gehört zu den Highlights!
Einerseits erzählen Roman und Film eine fast alltägliche Geschichte: Der Sohn aus der Großstadt nimmt sich eine Auszeit, um sich um die alten - inzwischen ganz schön schrägen - Eltern in der alten Heimat im nordfriesischen Nirgendwo zu kümmern. Andererseits zeigt "Mittagsstunde", in einer wunderbaren Verschränkung der Zeitebenen, die ganze Malaise deutscher Dörfer im Laufe eines halben Jahrhunderts.
Die Dorfkneipe von Ingwers Großeltern war einmal ein lebendiger Treffpunkt mit Tanz und Familienfesten. Als Ingwer ankommt, gibt es nur noch ein paar alte Stammkunden. Es ist klar, die Zeiten der Kneipen auf dem Dorf sind gezählt. Sein Vater begrüßt ihn mit einen lakonischen "Kopfwehwetter" und schenkt sich einen Schnaps ein. Ganz nebenbei erzählt der Film auch von den anderen Veränderungen auf dem Land: die Flurbereinigung, das Verschwinden des Dorfladens und der über Baumleichen gehende Straßenbau.
Im Mittelpunkt stehen natürlich Ingwer Feddersen - wie immer genial gespielt von Charly Hübner - und seine "Abenteuer" im Heimatdorf Brinkebüll. Das Dorf hat Geheimnisse und die sickern nur nach und nach zu ihm durch. Sein akademischer Beruf zählt hier nichts, die alten Geschichten über ihn umso mehr. Der betagte Sönke Feddersen bringt es auf den Punkt: "So nötig können sie dich in Kiel ja nicht brauchen, wenn du einfach ein Jahr blau machen kannst" Und so ist die Rückkehr in die Heimat für Ingwer auch eine unerwartete "Reise" in die Geschichte seiner Vergangenheit.

MITTAGSSTUNDE: Dialog zwischen Dörte Hansen, Charly Hübner und Lars Jessen

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MI 1. Februar 2023
18:00 OmU & 20:15 Uhr
An einem schönen Morgen

Un beau matin
von Mia Hansen-Løve
Frankreich,Deutschland 2022, 113 min

 

An einem schönen Morgen

So oft kommt es nicht vor, dass wir uns noch im Kino, während der Abspann läuft, anschauen und nicken: Das ist ein wunderbarer Film für den Keller!
Manchmal gelingt es Filmen ganz unspektakuläre Geschichten zu erzählen, die dabei einen Nerv in uns treffen ... uns mitnehmen in das Leben, seine Höhen und Tiefen. "Nur Fliegen ist schöner" war so ein Film mit der hinreißnden Sandrine Kiberlain, den wir 2017 vor einem zahlreichen und begeisterten Kellerpublikum gezeigt hatten. Diesmal ist es Léa Seydoux, die als Synchronübersetzerin in Alltagsklamotten ihren Weg in der "Rushhour" des Lebens meistert. Dabei strahlt sie eine Erotik aus, die man fast knistern hört. Und doch kommt sie - im Gegensatz zu ihren Auftritten als Bond Girl - ganz hochgeschlossen daher.
Léa Seydoux ist Sandra, die sich rührend um ihren, an einer seltenen Demenzkrankheit leidenden, Vater Georg kümmert. Für ihn ein akzeptables Pflegeheim zu finden, ist ein Familienprojekt, das fast den ganzen Film durchzieht. Parallel verläuft die Geschichte mit Clement, einem zufällig wieder begegnetem alten Freund. Eine intensive Liebesgeschichte beginnt und wir erleben die Höhen und Tiefen einer Liebe in modernen Zeiten: Kinder und Ehefrauen, hin- und hergerissen zwischen neuer Liebe und Verantwortung.
Mia Hansen-Løve hat in dem Film viel Autobiographisches verarbeitet, was auch ganz handfest Eingang in den Fim gefunden hat: Gedreht wurde im Pflegeheim, in dem ihr eigener Vater untergebracht war. Auch die Bücher, die im Film eine große Rolle spielen, sind aus der Bibliothek des Vaters. Mehr dazu verrät sie in dem Interview mit der taz

Jochen Werner schreibt als Resumee zu dem Film in perltaucher.de: "'An einem schönen Morgen' ist einer der allerschönsten und allerehrlichsten Filme über Affären, über neue Lieben in der Mitte des Lebens, über die schwierigen Entscheidungen, die man zu treffen hat, und über den Preis, den man mitunter zahlen muss für eine vage Wette auf ein neues Glück."

MI 01. Februar 2023
16:00 Uhr
MI 15. Februar 2023
16:00 Uhr
Pettersson und Findus
Findus zieht um
Deutschland 2018, 82 min

 

Pettersson und Findus - Findus zieht um

Wie auch in den vorherigen Filmen gelingt es dem Team rund um Regisseur Ali Samadi Ahadi, den liebevollen Charme der Vorlage auf die große Leinwand zu übertragen. Stefan Kurth ist großartig in der Rolle des eigenbrötlerischen und doch stets verständnisvollen Pettersson, der sich wie ein Vater um den kleinen süßen Frechdachs von Kater kümmert. Und gerade die Figur des etwas tollpatschigen Nachbarn, dem das ein oder andere Missgeschick passiert, sorgt für viele Schmunzler. Das Zusammenspiel von realen und animierten Elementen ist vor allem im Bau der fantasievollen Welt detailreich ausgearbeitet. Die Geschichten selbst reihen sich episodisch aneinander und lassen so gerade den jüngsten Kinozuschauern genug Zeit, um der Handlung der einzelnen Sequenzen zu folgen. Und wenn am Ende Pettersson und Findus, die Tiere auf dem Hof und alle Nachbarn zusammenkommen, um fröhlich miteinander zu feiern, dann vermittelt sich die wichtige Botschaft, dass Freunde einfach das Wichtigste sind, ganz von selbst.
FBW-Filmbewertung - Prädikat "wertvoll"

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MI 8. Februar 2023
17:30 OmU & 20:15 Uhr
Triangle of Sadness

von Ruben Östlund
SE, DE, FR, GB 2022, 142 min

 

Triangle of Sadness

Der Film, der 2022 die Arthouse Kinos rettete

Ab Oktober gab es dank Ruben Östlunds brachialer Konsum- und Kapitalismus-Satire wieder ausverkaufte Vostellungen in den Programmkinos der Nation. Seit Monaten, und immer noch, läuft "Triangle of Sadness" in vielen Berliner Kinos. Das erkärt sich wohl nicht nur damit, dass der schwedische Erfolgsregisseur mit dem Film seine zweite Goldene Palme in Cannes gewonnen hat.
Mit dem Titel fängt es ja schon an: Was ist eigentlich ein Dreieck der Traurigkeit - so die wörtliche Übersetzung des Titels? Fragen wir einfach mal Östlund: "Es ist ein Begriff aus der Schönheitsbranche. Eine Freundin von mir saß auf einer Party neben einem Schönheitschirurgen, und nach einem kurzen Blick auf ihr Gesicht sagte er: „Oh, Sie haben ein ziemlich tiefes Dreieck der Traurigkeit... aber das kann ich mit Botox in 15 Minuten beheben." Er bezog sich auf eine Falte zwischen ihren Augenbrauen. Auf Schwedisch heißt sie 'Sorgenfalte' und deutet darauf hin, dass man in seinem Leben viel zu kämpfen hatte. Ich dachte, das sagt etwas darüber aus, wie besessen unsere aktuelle Gesellschaft vom Aussehen ist, und dass das innere Wohlbefinden in mancher Hinsicht offenbar zweitrangig ist."
Mit der Welt der Models (m/w) fängt nun die eigentliche Geschichte an. Wir lernen Carl und Yaya kennen - keine Top Models, aber gut im Geschäft. Eigentlich ein wunderschönes Liebespaar, aber ein Streit um die Bezahlung der Restaurantrechnung entwickelt sich zum Running Gag im Laufe des Films.
Im zweiten Kapitel finden wir die beiden auf einer Luxusjacht wieder, die sie sich eigentlich nicht leisten könnten, doch die Teilnahme ist im Wesentlichen Gagenersatz. Auf dieser Jacht erleben wir eine Miniatur der kapitalistischen Gesellschaft: Die Superreichen, denen kein noch so abgelegener Wunsch vom dienstbeflissenen Service (Mittelschicht?) abgeschlagen werden kann. Der ewig betrunkene Kapitän als marxistischer Taugenichts passt da gut dazu! Und natürlich darf die arbeitende Unterschicht - sprichwörtlich im Bauch der Jacht verborgen - nicht fehlen.
So können wir die Mechanik des Lebens in Luxus und Konsum eine Weile entspannt studieren, bis die Katastrophe mit Sturm und Piratenüberfall zuschlägt.
Im letzten Kapitel finden wir uns mit den Überlebenden auf einer einsamen Insel wieder. Die Klassenunterschiede sind mit einem Schlag aufgehoben, die Skills der "Unterschicht" zum Überleben werden nun unbezahlbar und verleihen plötzlich ungeahnte, weidlich ausgenutze Macht.
Am Ende geht die Geschichte nicht als Märchen vom "Sieg des Proletariats" zu Ende, dazu ist Ruben Östlund zu sehr ein düsterer Satiriker. Wir haben gelacht und gezittert, doch zum Schluß bleibt die Welt so ungerecht, wie sie ist.

Vieles von "Triangle of Sadness" ist aus dem Leben gegriffen, wie man im TAZ Interview mit Ruben Östland nachlesen kann
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MI 15. Februar 2023
18:00 & 20:15 Uhr in OmU
Hallelujah: Leonard Cohen, A Journey, A Song

von Daniel Geller & Dayna Goldfine
USA 2021, 113 min

 

Hallelujah: Leonard Cohen, A Journey, A Song

Da gibt es nichts zu rütteln: Wer Leonard Cohen mag, für den ist "Hallelujah: Leonard Cohen, A Journey, A Song" ein Muss! Da hat es uns natürlich gleich in den dunklen Kinosaal gezogen, als er Mitte November in die Kinos kam.
Cohen hat uns begleitet: Von der Jugend, als seine Songs wunderbar passten, um ein Mädel für sich zu gewinnen, über viele Filme, in denen seine Songs wesentlich waren - Robert Altmans McCabe & Mrs. Miller von 1971 bleibt da unvergesslich!
Die Dokumentation zeigt uns einerseits Leonard Cohens Lebensgeschichte und andererseits den faszinierenden Weg, den sein bekanntester Song "Halleluja" von frustrierenden Anfängen bis zu einem hundertfach gecoverten Welthit nahm.

Philosoph und Poet, Suchender und Fragender, Ladies‘ Man und Mönch: In Leonard Cohen vereinigen sich viele Widersprüche, die ihn zu einem der aufregendsten Songwriter des letzten Jahrhunderts werden lassen. Nach 5 Jahren und mindestens 150 Versen war Leonard Cohen endlich mit seinem Magnus Opus „Hallelujah“ zufrieden – allerdings beschloss sein Haus-Label Columbia Records, die LP nicht in Amerika zu veröffentlichen. Was zuerst wie eine persönliche Tragödie wirkte und Cohen in eine Schaffenskrise stürzte, war der Beginn einer unerwarteten Karriere des Songs. Der ging seinen eigenen Weg und schaffte es mit Hilfe von Coverversionen von musikalischen Größen wie John Cale, Bob Dylan und Jeff Buckley, Nummer 1 auf den Billboard Charts zu werden. Als dann in dem Film „Shreck“ eine ganz eigene Version des Songs auftauchte, war dessen Erfolg nicht mehr zu bremsen …


 

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