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Filme Mai / Juni 2026

Sobald die Termine feststehen, könnt ihr sie hier finden.

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Mittwoch 6. Mai
18:00 DF & 20:00 DF
Stiller

von Stefan Haupt
Deutschland 2025 99 min
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Stiller

Ich gestehe: Stiller, das Buch von Max Frisch aus dem Jahre 1954, habe ich nie gelesen. Den Film Stiller konnte ich daher ganz unvoreingenommen als eigenständiges Werk sehen. Und der Film hat mich begeistert - Renate, eingefleischte Frisch Hasserin, sah ihn etwas anders. Es ist die Geschichte von James Larkin White, der aus - aus den Staaten eingereist - verhaftet wird, weil er an der Ermordung eines Russen beteiligt gewesen sein soll. Die Behörden glauben in ihm den untergetauchten Künstler Anatol Stiller zu erkennen. "Ich bin nicht Stiller!", schreit er seinen Häschern entgegen; und wirft die spannende Frage auf, "wie soll man beweisen, jemand nicht zu sein"!

Im Kern geht es also um die Identität eines Menschen. "Wer bin ich, und wenn ja wie viele" dieser Spruch kommt mir unmittelbar in den Sinn. Oder: "I contain multitudes" - Die zentrale philosophische Zeile von Walt Whitman, die in The Life of Chuck eine zentrale Rolle spielt.

Sind Stiller und White ein und dieselbe Person? Der Regisseur Stephan Haupt hat seinen Anatol Stiller in den Rückblenden mit, Sven Schelker anders besetzt als James Larkin White, den Albrecht Schuch sehr amerikanisch spielt. "Der tiefe Wunsch, sich selber zu verändern und realisieren zu müssen - verdammt, wie schwierig ist das! Ich kann mir den Namen White geben, also Weißes Blatt, aber ich nehme die Vergangenheit mit", so beschreibt Schuch die Situation in einem Interview.

Staatsanwalt Rehberger nutzt die Konfrontation des angeblichen White mit wichtigen Personen aus Stillers früherem Leben als Künstler, um den Fall zu lösen- Da ist die Exfrau Julika - Paula Beer fantastisch wie immer - und Rehbergers Gattin Sibylle und Ex-Geliebte von Stiller, gespielt von der wunderbaren Marie Leuenberger; zwei Frauen, die Stiller recht intim erlebt haben - als Beweis taugen ihrer beider Aussagen dennoch nicht.

Fazit: Gelungene Verfilmung des Jahrhundertromans von Max Frisch

"Interview mit dem Regisseur Stefan Haupt zu "Stiller""

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Mittwoch 13. Mai
18:00 DF & 20:10 DF
Calle Málaga - Ein Zuhause in Tanger

von Maryam Touzani
Marokko, ES, FR, DE 2026
116 min
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Calle Málaga - Ein Zuhause in Tanger

Maryam Touzani ist eine alte Bekannte im Keller. Von ihr zeigten wir 2019 den Film Adam, der von einer unehelichen Geburt in Casablanca und der Solidarität unter Frauen erzählte ... und 2023 haben wir Das Blau des Kaftans gesehen - eine Hommage an Handwerkskunst und Liebe im märchenhaften Marokko. Mit diesen Filmen hat Touzani Marokko erstmalig in das Blickfeld der Cineasten gebracht! Mit Calle Málaga - Ein Zuhause in Tanger hat sie nicht nur ihren bislang zugänglichsten Film geschaffen, sondern auch wieder eine liebevolle Beschreibung der Handwerkskunst abgeliefert. Man kann das Streetfood und die Gewürze förmlich riechen, die in Tangers Calle Málaga gehandelt werden. Und wie ihr Freund Abslam in seinem Antiquitätenladen liebevoll alte Bücher restauriert, das ist ein faszinierendes Beispiel von Handwerkskunst.

Es sind Touzanis Mutter und Großmutter, die sie zu Calle Málaga inspiriert haben. Beide sind vor Franco aus Spanien geflohen und haben im spanischen Viertel von Tanger ein neues Zuhause gefunden. Ihre Mutter war die einzige Person, mit der Touzani Spanisch sprach. Und als diese gestorben war, hat sie immer noch in Gedanken mit ihr gesprochen. "Then, of course, there’s everything that remains: the memories, the objects, and all these things that are beautiful, but also very painful, at the same time. And then there was the need to smell the things she used to cook for me, just so I could still be with her", so beschreibt die Regisseurin den Nukleus ihres neuen Films.

Doch Calle Málaga ist nicht nur ein verklärender Rückblick auf Touzanis Kindheit in Tanger. Der Kern der Geschichte ist ein universeller Konflikt zwischen der Elterngeneration und einer sich emanzipierenden und entfremdenden Jugend. Marias Tochter Clara ist nach Spanien ausgewandert, hat nun Geldsorgen, und besucht ihre Mutter mit einem fixen Plan im Gepäck: Sie will die Wohnung, die ihr der Vater überschrieben hatte, verkaufen. Auch für die Mutter hat sie eine Lösung parat: Sie soll zu ihr und den Enkelkindern nach Spanien kommen ... oder alternativ in ein Seniorenheim in Tanger ziehen. Doch beides kommt für Maria nicht in Frage. Sie schafft es - zumindest für eine Zeit - ihre geliebte Wohnung wieder zu besetzen, und auch die Liebe im Alter erblüht ganz wunderbar. Doch die Wohnung ist auf dem Markt und mit deren Verkauf endet eine spannende Zeit des Widerstands. Der Konflikt ist zwar nicht lösbar, doch wir haben fast zwei Stunden wunderbares Leben in Tanger gesehen!

Fazit: Eine wunderschöne Hommage an das Älterwerden vor der Kulisse des spanischen Viertels von Tanger.

Maryam Touzani on Calle Malaga: Venice Interview


 

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