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Die 21. Staffel

Sobald Filme terminiert sind, werdet ihr sie hier finden
Die neuen Termine pflegen wir ein, wenn der Keller wieder aus dem Dornröschenschlaf erwacht ist.

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17:45 & 20:30 Uhr
Wie ich lernte, bei mir selbst Kind zu sein
von Rupert Henning
Österreich 2018, 140 min

 

Wie ich lernte, bei mir selbst Kind zu sein

Es ist gar nicht so leicht, der Spross einer Dynastie zu sein. Das weiß auch Paul Silberstein, der als jüngster Sohn einer Zuckerbäcker-Großindustriellenfamilie den Ansprüchen seines strengen Vaters nie gerecht werden kann. Und so versucht es Paul auch erst gar nicht und flieht immer dann, wenn er eigentlich lernen soll, in das Reich der Fantasie, wo er eine Rangliste seiner größten Ängste erstellt oder sich in ein Mädchen verliebt, das er gar nicht kennt. Als sein Vater plötzlich stirbt, kehrt Paul aus dem Internat heim zu seiner stets von suizidalen Gedanken umgebenen Mutter und seinen drei exaltierten Onkel, die Paul ihre Lebensweisheiten mit auf den Weg geben. Dabei weiß Paul schon längst, was er werden will: Ein „funkelnder Hundling“. Auch wenn er selbst noch gar nicht weiß, was das eigentlich bedeutet. Mit WIE ICH LERNTE, BEI MIR SELBST KIND ZU SEIN verfilmt Rupert Henning die Erzählungen André Hellers, mit denen er sich an seine eigene Kindheit erinnerte. Und so ist der Film, ganz im Sinne und Stil der literarischen Vorlage, eine Feier der überbordenden Kraft der Fantasie geworden. Die Härte der Lebensumstände Pauls, der von seinem Vater mit Kälte und Strenge erzogen wird, steht in krassem Gegensatz zur seiner inneren gedanklichen Welt, in der er selbst zum Zirkusdirektor einer Manege voller skurriler Figuren und Einfälle wird. In diesen Gedankenspielen ist Paul frei und kann seine Andersartigkeit, die von allen Erwachsenen immer kritisiert wird, ohne Ängste ausleben. Der Film selbst feiert diese Andersartigkeit und macht Paul, dessen Darstellung durch Valentin Hagg ein absoluter Glücksgriff ist, zu einem ungewöhnlichen und doch strahlenden Helden. Die Mischung aus kindlicher Verspieltheit und Unschuld und der erzwungenen gedanklichen Reife stellt Hagg mit großem naseweisen Witz und Charme dar. Auch das übrige Ensemble überzeugt in seinen Rollen. Eine sensationelle Ausstattung, die bis ins kleinste Detail liebevoll ausgearbeitet ist, eine dynamische Kamera und ein ausgetüfteltes Licht-, Farb- und Musikkonzept erschaffen einen filmischen Varieté-Genuss, der den Künstler André Heller in kongenialer Weise spiegelt und auf die Kinoleinwand bannt.
Pressetext Filmbewertung - Prädikat besonders wertvoll

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18:00 & 20:30 Uhr
Alles außer gewöhnlich
von Éric Toledano & Olivier Nakache
Frankreich 2019, 114 min

 

Alles außer gewöhnlich

Der Film erzählt die wahre Geschichte von zwei Männern, die von dem Willen beseelt sind, die Welt für sich und für andere besser zu machen. Bei ihrer Arbeit mit autistischen jungen Menschen in Paris vollbringen Bruno und Malik – der eine Jude, der andere Muslim – tagtäglich kleine Wunder. Über gesellschaftliche Grenzen hinweg gelingt es den beiden, mit viel Engagement, Feingefühl und Humor aus vielen unterschiedlichen Persönlichkeiten eine Gemeinschaft zu formen, in der jeder Einzelne die Chance bekommt, über sich hinaus zu wachsen.
Weil das Gesundheitssystem für die besonders schwierigen Fälle außer Wegsperren keine Lösung hat, arbeiten Bruno und Malik mit allen Tricks, um das System zu überlisten. Als Helfer werden auch Jugendliche aus den Pariser Problemvierteln rekrutiert, auf eine fachliche Ausbildung wird kein großer Wert gelegt, denn jeder ist willkommen, der überhaupt bereit ist, den nervenaufreibenden Job zu machen. Das geht nicht immer gut, doch als dann einmal etwas gründlich schief läuft und der besonders schwierige Schützling Valentin, der immer einen Kopfschutz trägt, weil er seinen Kopf gegen die Wand schlägt, nachts allein durch die Stadt irrt, sind sofort alle bei der Suche dabei.
Für fast alle Probleme findet Bruno schnell eine Lösung, außer für sein Privatleben, denn jedes Date wird durch einen Notruf abrupt beendet, und für die Inspektoren der Gesundheitsbehörden, die seinen Verein auf unprofessionelles und grob fahrlässiges Verhalten durchleuchten.
Die Geschichte über Bruno und Malik beruht auf der Bekanntschaft zu zwei Männern, die Toledano und Nakache kennengelernt hatten, während sie sich in einem Feriencamp sozial engagierten. Stéphane Benhamou (Inspiration für die Figur des Bruno) leitet seit 1996 den Verein Le Silence des Justes (dt.: „das Schweigen der Gerechten“), der sich auf die Aufnahme und Integration autistischer Kinder und Jugendlicher spezialisiert hat. Daoud Tatou (Inspiration für die Figur des Malik) leitet seit 2000 den Verein Le Relais IDF. Diese Organisation kümmert sich um autistische Kinder und Jugendliche, bemüht sich aber gleichermaßen um die soziale und berufliche Wiedereingliederung junger Menschen aus Brennpunkt-Vierteln.
Wikipedia

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18:00 (OmeU) ⇒ FLVEG English Filmclub
20:00 Uhr in deutscher Fassung
Late Night
von Nisha Ganatra
USA 2019
100 min

 

Drehbuchautorin und Hauptdarstellerin Kahling weiß, wovon sie spricht und schreibt: Als erste Frau lieferte sie Futter für die erfolgreiche Sitcom "The Office" ("Stromberg" ist der deutsche Ableger), seit 2012 spielte sie in sieben Staffeln der von ihr erfundenen Comedy-Serie "The Mindy Project".
Unter der Regie von Nisha Ganatra treffen in "Late Night" so zwei großartige Hauptdarstellerinnen bei einem themabedingt zynischen Schlagabtausch aufeinander. Und handeln gesellschaftliche Inhalte mit Streitpotential - Rassismus, Sexismus, Ageism, Lookism - nonchalant und von One-Liner zu One-Liner ab. "Ein Writers Room ist nicht sehr pc... es kann dort zuweilen sehr maskulin zugehen", warnt Katherines Producer Molly die Neue. "Ich habe die meisten Autoren gesehen. Ich glaube nicht, dass man sich um zu viel Maskulinität Sorgen machen muss", gibt diese zurück. Katherines Beobachtung über die mediale Behandlung von Frauen jenseits der 50 lautet so: " Tom Cruise ist mein Alter. Er darf gegen die Mumie kämpfen, ich BIN die Mumie!".

Jenni Zylka - SPIEGEL Kultur

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18:00 (OmU) & 20:30 Uhr
Nurejew - The White Crow
von Ralph Fiennes
Frankreich, GB 2018, 127 min

 

Porträt eines Besessenen
Fiennes' Film ist keine Biographie über Nurejew, sondern konzentriert sich – mithilfe einiger Rückblenden in die Kindheit und Jugend – auf das Pariser Gastspiel und Nurejews irrwitzige Flucht vor den Augen der überrumpelten KGB-Bonzen. Der Film will nicht lückenlos erzählen, stellt manches einfach dar, ohne Kommentar. Zeigt einen Menschen, der trotz größter Widerstände felsenfest an sich glaubt. Über die Grenzen von Egoismus und Hochmut hinaus. Er handelt von Tanz, von Freiheit und – selbst wenn sie Nurejew nicht interessierte – von Politik. Der Kalte Krieg der 60er-Jahre lebt in seiner ganzen Härte und Absurdität wieder auf, in den Bildern und Figuren, zermalmt Hoffnungen, Gefühle und Sehnsüchte. Nur nicht die von Rudolf Nurejew, der weißen Krähe, der seine eigenen Spielregeln hat und nicht nur auf der Bühne immer ein bisschen über den anderen schwebt. Großes Kino – egal, ob man Tanz mag oder nicht.

Annika Täuschel - BR Klassik

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18:00 & 20:15 Uhr
Official Secrets
von Gavin Hood
GB, USA 2019, 112 min

 

Official Secrets

Katherin Gun zählt zu den wichtigsten Whistleblowerinnen unserer Zeit. Trotzdem ist schicksalshafte Entscheidung der mutigen Britin, die alles riskierte, um den von den USA forcierten Irak-Krieg zu verhindern, wenig bekannt. Unmittelbar vor der Invasion des Irak im Jahr 2003 ließ sie ein streng geheimes Memo der National Security Agency (NSA) durchsickern. Darin forderte die USA eine illegale Spionageoperation gegen Mitglieder des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen, um kleinere, unentschiedene Mitgliedsstaaten zu erpressen, damit sie für den Krieg stimmen. Mit einer grandiosen Keira Knightly als Hauptdarstellerin bringt Oscar-Preisträger Gavin Hood ihre packende Geschichte nun auf die große Leinwand. Sein exzellent besetztes Drama macht klar, dass das Kino als Ort, um politische Debatten anzustoßen, immer noch funktionieren kann..

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