Stiller
Deutschland 2025, 99 min • Darsteller
James Larkin White: Albrecht Schuch
Julika: Paula Beer
Anatol Stiller: Sven Schelker
Staatsanwalt Rolf Rehberg: Max Simonischek
Sibylle Rehberg: Marie Leuenberger
Dr. Bohnenblust: Stefan Kurt • Crew
Regie: Stefan Haupt
Drehbuch: Alex Buresch, Stefan Haupt
Kamera: Michael Hammon
Schnitt: Franziska Köppel
Musik: David Hohl
Stiller
Pressestimmen
Stefan Haupt hat die Geschichte um Stiller und White erstmals für das Kino inszeniert und konzentriert sich dabei nur auf den ersten Teil des Buches. Wer den Roman kennt und Bedenken hat(te): Das funktioniert tatsächlich erstaunlich gut. Was im Roman über das Schreiben, das Erzählen, die Worte vermittelt ist – Stiller soll im Gefängnis seine Erinnerungen und Gedanken niederschreiben, um die Ermittlungen in einem Mordfall voranzutreiben – passiert auf der Leinwand über die audiovisuelle Inszenierung und eben viel weniger über die Sprache – auch wenn White von seinem Anwalt Heft und Stift in die Hand bekommt und anfängt zu schreiben. Das mag Frisch-Liebhaber enttäuschen, macht Stiller aber zu einer gelungenen Übertragung der Motive in die eigene Sprache des Mediums Film.
Verena Schmöller - kino-zeit.de
Zeitlose Themen in frischem Gewand
Ein bisschen führen die historischen Kulissen in die Irre. 50er-Jahre-Automobile und -Kostüme - da denkt man unweigerlich, es ginge um die Nachkriegszeit im Speziellen. Regisseur Haupt kann aber schlüssig erklären, warum er sich gegen eine zeitliche Aktualisierung des Stoffs entschieden hat: "Diese Grundgeschichte, dass einer zurückkommt, sieben Jahre verschollen war, sich einen neuen Namen gegeben hat, wäre heutzutage viel schwieriger zu behaupten. Da wird einfach ein DNA-Test gemacht. Insofern war uns klar, dass wir in der Zeit bleiben müssen.
Die Themen jedoch sind zeitlos: Scheitern einer Liebesbeziehung, auch an krankhafter Selbstbezogenheit und falschen Vorstellungen von Männlichkeit. Und: "Der tiefe Wunsch, sich selber zu verändern und realisieren zu müssen - verdammt, wie schwierig ist das! Ich kann mir den Namen White geben, also Weißes Blatt, aber ich nehme die Vergangenheit mit", so Albrecht Schuch.
Bei der Wiederbegegnung mit Julika aber versucht der Mann auf der Flucht vor sich selbst ein anderer zu sein. Vielleicht hat diese Liebe noch eine zweite Chance? Walli Müller - ndr.de/kultur
An der Herausforderung, die Handlung eines über 400 Seiten langen Romans in 99 Minuten vollständig wiederzugeben, muss Haupts „Stiller“ scheitern. Geglückt ist es ihm aber, einen vor siebzig Jahren erschienenen, zeitgeistigen Roman und das darin Enthaltene einem (auch jüngeren) Publikum von heute zugänglich zu machen. Das liegt zum einen an der geschickten Umsetzung des Romans in einer filmisch verknappten Form – viele von Whites Erzählungen zum Beispiel sind im Film nicht zu finden. Und es liegt im Fall von „Stiller“, wo es um schillernde, nicht endgültig festgeschriebene und ineinander übergehende Identitäten geht, auch daran, wie diese im Film visualisiert sind.
Auch das hat Haupt, der mit Sven Schelker und Albrecht Schuch seine Protagonisten mit nicht nur vom Aussehen, sondern auch in ihrer schauspielerischen Energie vergleichbaren Darstellern besetzte, durchaus clever gelöst. Überhaupt sind die Schauspieler herausragend. Das gilt in weiteren Rollen nicht nur für Paula Beer, die als Julika im Zusammenspiel mit Schelker genauso überzeugt wie in den Begegnungen mit Schuch, sondern auch für Marius Ahrendt, der als Gefängniswärter Knobel White regelrecht an den Lippen hängt. Und es gilt für Marie Leuenberger in der kleinen Rolle der Staatsanwaltsgattin Rehberg, die mit Stiller eine kurze, aber heftige Affäre hat.
Irene Genhart - filmdienst.de