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Die 12. Staffel

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MI 3. Oktober 2018
18:00 & 20:15 Uhr
Eine bretonische Liebe

von Carine Tardieu
Frankreich 2017, 100 min

 

... und immer noch gehen die französischen Komödien nicht aus!

"[...] Die beiden Hauptdarsteller Damiens und de France sind ebenso wie alle anderen Darsteller einer der großen Glücksgriffe Tardieus: Damiens als gutmütiger, etwas unbeholfener Erwan mit viel Sinn für Humor, und de France als selbstbewusste, kratzbürstige und doch verletzliche Anna, die sich um ihren alten Vater kümmert, dabei aber ihr eigenes Leben zu leben vergisst. Beide beweisen bei ihren Treffen jeweils ein mehr als unglückliches Timing in ihrem Agieren und geben doch das perfekte Paar ab. Auch das trägt zum Charme des Films bei.

Selten hat jemand mit so viel Witz und Ernsthaftigkeit zugleich von den Tragödien der menschlichen Existenz erzählt. »Ich dachte, meine Familie sei banal«, sagt Erwan einmal. Banale Familiengeschichten? Die gibt es nicht – schon gar nicht so schön und clever erzählt."

epd-film

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MI 10. Oktober 2018
18:00 (OmU) ⇒ FLVEG Filmclub
20:30 Uhr in deutscher Fassung
Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

von Martin McDonagh
USA 2017, 112 min

 

Mildred Hayes ist eine einfache Frau, die knallharte Dinge mit Witz und Sprachgewalt sagen kann, ohne dabei den Blick zu senken oder mit der Wimper zu zucken. Sie wird von Frances McDormand gespielt, für deren einzigartige Raubein-Qualitäten schon einige Paraderollen geschrieben worden sind - nicht zuletzt von ihrem Ehemann Joel Coen. Diese hier aber gehört zu den besten - es fällt einem schlicht keine andere Schauspielerin ein, die einem bräsigen Männertrupp mit vergleichbarer Verve und Entschlossenheit einheizen könnte. Einen Golden Globe hat sie dafür schon bekommen, ein Oscar dürfte folgen.

Was dann aber doch überrascht, besonders angesichts des grauenhaften Mordes im Hintergrund, ist die untergründige Komik, die sich von Anfang an in die Szenen einschleicht. Liegt es an den Dumpfbacken-Qualitäten des Hilfspolizisten Jason Dixon (Sam Rockwell), dessen Eskapaden großen Raum einnehmen? Oder ist es eher ein nervöses Lachen, weil McDormand all die leidenden Mutterfiguren der Kunst- und Filmgeschichte auf den Kopf stellt? Eine Frau, die ihren ganzen Schmerz für sich behält, ihren ganzen Zorn aber ungefiltert auf die Welt loslässt - das wirkt over the top und gerade deshalb sehr befreiend.

Tobias Kniebe in der Süddeutschen Zeitung

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MI 17. Oktober 2018
18:00 (OmU) & 20:30 Uhr in deutscher Fassung
Shape of Water

von Guillermo del Toro
USA 2017, 123 min

 

Poesie schlägt Zynismus: Mit diesem magischen Märchen über Außenseiter, die Arroganz der Macht und die Kraft der Liebe eroberte Guillermo del Toro das Festival von Venedig im Sturm. Sally Hawkins gibt eine bescheidene Putzfrau, die in den frühen 60er Jahren im geheimen US-Forschungslabor auf einen Amphibienmenschen trifft. Als die Militärs brutale Versuche mit dem Wesen planen, wird die stumme Reinigungskraft zur rigorosen Retterin – und findet im Wassermann die Liebe ihres Lebens. Grandios erzählt, virtuos bebildert sowie exzellent gespielt: So hätte es wohl ausgesehen, wenn Douglas Sirk statt Jack Arnold „Der Schrecken vom Amazonas“ inszeniert hätte. Ein perfekt geschliffenes Juwel der Filmkunst mit viel Gefühl und eindrucksvoller Haltung.

programmkino.de

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MI 24. Oktober 2018
18:00 (OmU) & 20:00 Uhr in deutscher Fassung
Lucky

von John Carroll Lynch
USA 2017, 88 min

 

Lucky

Mein ganz persönlicher Tipp: Der wunderbarste Film des Jahres

So glücklich kommt man selten aus dem Kino. Nachdem wir ihn im Frühjahr gesehen hatten, wurde "Lucky" der Film, den ich auf meiner kleinen Geburtstagsfeier Freunden und Verwandten zeigen wollte ... und das Vergnügen an diesem kleinen Meisterwerk wurde ausnahmslos geteilt. Der Film über das Alltagsleben eines 90-Jährigen in einer Kleinstadt am Rande der Wüste sprüht vor kleinen Geschichten, wunderbaren Begegnungen und hinter dem feinen Humor jeder Szene scheint ein ganzer philosophischer Kosmos durch.
Wer auch nur ein bisschen des Englischen mächtig ist, sollte sich die Originalfassung mit Untertiteln um 18:00 Uhr anschauen. Die wenigen prägnanten Dialoge sind gut zu verstehen.

"Der im September 2017 verstorbene Stanton spielt in "Lucky" seine letzte Rolle, und John Carroll Lynch, selbst Schauspieler, macht dem Kollegen mit seinem Regiedebüt ein großes Geschenk. Der ewige Nebendarsteller Harry Dean Stanton, dem es in seinen mehr als zweihundert Spielfilmen und Serienepisoden immer wieder gelang, vom Rand des Geschehens aus eine ungeheure Präsenz zu entfalten, spielt in diesem komischen und seltsam berührenden Film seine erste Hauptrolle seit über 30 Jahren. Seit Wim Wenders' "Paris, Texas" von 1984, um genau zu sein; einem der vielen Filme, an denen Harry Dean Stanton das Beste war."
Der Spiegel

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MI 31. Oktober 2018
18:00 & 20:30 Uhr
Call Me By Your Name

von Luca Guadagnino
Italien, Frankreich 2017, 132 min

 

Bei den Kritik-Auswertern „MetaCritic“ und „Rotten Tomatoes“ bekam diese Lovestory die Traumquote von superlativen 98 Prozent Lob (Stand Ende September 2017). In Sundance tobte das Publikum, auf der Berlinale hingegen hat die Teddy-Jury das Werk verpennt. Peinlich, peinlich, sind die Klassiker-Qualitäten doch augenfällig. Da wäre die radikal romantische Liebesgeschichte zwischen einem 17-jährigen, ungestümen Schöngeist und einem 24-jährigen US-Sonnyboy im sommerlichen Bella Italia der frühen 80er Jahre. Ein bewegendes Vater-Sohn-Gespräch, wie es großartiger im Kino wohl noch nicht zu sehen war. Last not least verliert auch der Pfirsich hier auf immer seine Unschuld. Sinnliches Gefühlskino, wie es eben nur die Italiener mit solch raffinierter Grandezza beherrschen. Der Oscar-Call dürfte da gleich mehrfach erfolgen.

programmkino.de

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MI 7. November 2018
18:00 & 20:15 Uhr
3 Tage in Quiberon

von Emily Atef
Deutschland 2018, 100 min

 

3 Tage in Quiberon

"In "3 Tage in Quiberon" erzählt Emily Atef, wie die erschöpfte Romy Schneider kurz vor ihrem Tod noch ein Interview über ihr kaputtes Leben gab. Ein Drama über Hedonismus und Einsamkeit. "

" [...] Zeitweise könnte man denken, dass hier die Boulevardpresse verteufelt werden soll, die Schneider nur für oberflächliche Schlagzeilen ausnutzen will, während mit Hilde eine intime Kindheitsfreundin aufgeboten wird, welche die berühmte Schauspielerin wirklich versteht. Aber Atef macht die Sache komplizierter. Der Journalist mutmaßt, dass auch Hilde sich nur aus egoistischen Gründen an ihre Freundin hängt, da sonst ihre eigene Existenz zu unbedeutend wäre. Was sich zynisch anhört, verbirgt eine eigentümliche Wahrheit. Der Journalist feilt trotz aller Gemeinheit mit an der großen Legende, während Hilde Romys Berühmtheit ausnutzt, um drei Tage Luxusleben zu haben. Die Tragik Romys liegt in dieser Dialektik: Wer sie aussaugt, stützt sie; und wer sie stützt, saugt sie auch aus."

Philipp Stadelmaier in der SZ

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MI 14. November 2018
18:00 (OmeU) ⇒ FLVEG Filmclub
20:30 Uhr in deutscher Fassung
Nebraska

von Alexander Payne
USA 2013, 115 min

 

Woody Grant, Paynes Hauptfigur in „Nebraska“, hat einen guten Grund, sich auf den Weg dorthin zu machen: Er will sich eine Million Dollar abholen, die er in einer Lotterie gewonnen hat. So denkt er jedenfalls und ist nicht davon abzuhalten, dass ein Zettel in seinem Briefkasten, mit seinem Namen an entsprechender Stelle und dem Summer groß in der Mitte, bereits die Gewinnbenachrichtigung ist. Jeder weiß, dies ist Betrug, aber Woody glaubt an sein Glück. Seine Frau (June Squibb) eher nicht. „Ich wusste gar nicht, dass du Millionär werden willst“, das ist ihr Kommentar zu dem bevorstehenden Reichtum, den ihr Mann herbeiphantasiert. Ein prächtiger Satz.

Bruce Dern spielt diesen Woody Grant fast traumverloren und völlig mit der Rolle verschmolzen. Damit erschafft er eine Figur, die ein wenig rätselhaft bleibt, in ihrem Inneren allein und ohne uns, wie es dem Verlust von Gedächtnis angemessen ist. Auch Will Forte, der seinen Sohn spielt, verärgert, ungeduldig am Anfang, stoisch, als er merkt, er wird seinen Vater nicht von seinem Vorhaben abbringen können, blickt ihn manchmal an mit diesem flehenden Blick, als wollte er den Vater darüber hinwegtrösten, dass dieser im Leben vollkommen versagt hat. Aber er findet keinen Weg zu ihm, was traurig ist, manchmal komisch, fast immer skurril.

Verena Lueken in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung

Samstag 17. November 2018
19:30 in der Alten Turnhalle
Egon Schiele - Tod und Mädchen

von Dieter Berner
Österreich, Luxemburg 2016, 110 min

 

Sonderveranstaltung in der alten Turnhalle zum Gedenken an den 100sten Todestag von Egon Schiele

Zu Gedenken an den 100sten Todestag von Egon Schiele (1890 -1918) zeigt die VHS Lohr-Gemünden in Kooperation mit dem Stattkino Lohr den Film "Egon Schiele - Tod und Mädchen". In der österreichisch-luxemburgischen Koproduktion aus dem Jahr 2016 erzählt der Regisseur Dieter Berner Episoden aus dem Leben des österreichischen Malers Egon Schiele. Der Film lässt einen der prägendsten Künstler der Wiener Moderne und seine Beziehung zu fünf für ihn bedeutenden Frauen aufleben und ist zugleich ein pulsierendes wie episches Zeitbild.

Hartwig Kolb wird eine Einführung zu dem Film geben.



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Mittwoch 21. November 2018
18:00 & 20:30
Paula

von Christian Schwochow
Deutschland 2016, 123 min

 

Paula

Das Drama über das kurze, wilde Leben der Paula Modersohn-Becker zeigt eine lebenshungrige Frau, die gegen alle Konventionen um 1900 herum als Künstlerin arbeitet.
Carla Juri (u. a. „Feuchtgebiete“) liefert als Paula eine intensive Interpretation der Malerin als leidenschaftliche, spontane Frau. Im Vordergrund steht ihre Beziehung zum Kollegen und späteren Ehemann Otto Modersohn (Albrecht Abraham Schuch).
Christian Schwochow inszeniert formgewandt und in teils wunderbaren Bildern (Kamera: Frank Lamm) nach einem Drehbuch, das mit der heißblütigen Hauptfigur nicht mithalten kann. Das Ergebnis ist ein Biopic mit Einblicken in eine spannende Epoche und ins Leben einer Künstlerin, deren Werk bis heute strahlt.

programmkino.de


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